Aufführungen / Oper
Staatsoper Hannover
Hannover, Opernplatz 1
- Heute: Lebt bewegt
- Opernball 2026: PADAM!
- Führung durch das Opernhaus
- Turandot
- Hör'n Sie mal
- Schwanensee. Rotbarts Geschichte
- Das offene Foyer
- Anything Goes
- Wurst
- Die Hochzeit des Figaro
- Penthesilea
- Kirsas Musik
- Poetry Slam: Macht Worte!
- Hommage à Legrand
- Das Niedersächsische Staatstheater Hannover ist ein Mehrspartentheater in Hannover
Aufführungen / Theater
Schauspiel Hannover
Hannover, Prinzenstr. 9
- Heute: Das neue Leben
- Morgen: Die Schneekönigin
- Premiere: Gewässer im Ziplock
- Premiere: Hamlet: R2D2 or not 2B2
- Premiere: All the Sex I've Ever Had
- Mohameds Odyssee
- Führung durch das Schauspielhaus
- Ich will alles - oder nichts!
- Dalida. Ciao Amore!
- Iconic - Sisi, Lady Di und die Welfinnen
- Wanja
- Die Tage der Hyäne
- Betonklotz 2000
- Mit anderen Augen
- Der Großinquisitor
- Heimsuchung
- Die Frau mit den vier Armen
- Ein wenig Licht. Und diese Ruhe.
- Blind
- Der unsichtbare Mann
- Pride
- Blutbuch
- Der wunde Punkt
- Mediathek
- Das Schauspiel Hannover bietet Theater, Unterhaltung und Musik an fünf verschiedenen Orten.
Aufführungen
| Schauspiel
Aufführungen
| Schauspiel
Betonklotz 2000
Schauspiel Hannover
„Wir hassen euch nicht dafür, dass ihr uns weghaben wollt.“ Wie fühlt es sich eigentlich an, in einem der größten zusammenhängenden Betonfundamente Europas – dem Hannoveraner Ihme-Zentrum – aufzuwachsen? „Betonklotz 2000” erzählt die Geschichten junger Menschen, für die dieses einst als utopisches Stadtkonzept geplante Bauwerk soziale Ungleichheit und Realität bedeutet. Zwischen Armut und Gentrifizierung, der Suche nach Perspektiven und der Flucht nach vorne (wo auch immer das sein mag), betrachten die Jugendlichen den Klotz und sehen: Eltern, die sich bemühen. Freundschaften. Ein Fundament, das bröckelt. Vor allem aber: Ein Zuhause. „Eine Stadt in einer Stadt, so die Idee, viele Geschichten übereinandergestapelt”. Die Autorin Jona Rausch widmet sich in ihrem ersten Text für die Bühne einem Gebäude, das so viel mehr ist als ein kultiges, mittlerweile in die Jahre gekommenes Vorzeige-Bauwerk Hannovers. So unterschiedlich wie die Blicke, die das Ihme-Zentrum seit den 1970ern geformt und wieder haben zerfallen lassen, sind auch die Welten der Figuren, die Jona Rausch in es hineinschreibt. Mal sind sie zart, mal sind sie laut und mal überrumpeln sie eine mit ihrer schonungslosen Ehrlichkeit. Regisseurin Goldie Röll lässt diese Stimmen in Erscheinung treten und feiert mit diesem Abend ihr Hannover-Debüt im Ballhof Zwei. Das Stück entstand im Rahmen des Hans-Gratzer-Stipendiums am Schauspielhaus Wien. eingeladen zum Heidelberger Stückemarkt 2025 für Menschen ab 14 Jahren Regie: Goldie Röll Bühne und Kostüme: Naomi Kean Musik: Augustin Zimmer Dramaturgie: Saskia Jabłońska Dauer: ca. 1 Std. 10 Min., keine Pause
Aufführungen
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Die Tage der Hyäne
Schauspiel Hannover
„Was mich betrifft, könnten die Erde zerstört, die Urwälder verbrannt und die Gewässer verschlammt werden, aber ich möchte trotzdem ein Kind haben.“ Haben Sie sich in einer gynäkologischen Praxis auch schon einmal gefragt, wohin eigentlich mit der Unterhose? Wie über die Nachwirkungen einer Schwangerschaft sprechen, ohne rot anzulaufen? Und was tun, wenn zwischen kinderlosen Freund*innen plötzlich diese unangenehme Stille entsteht – oder der verächtliche Blick das schreiende Baby trifft? „Die Tage der Hyäne“ behandelt diese Fragen ehrlich, humorvoll und vielschichtig. Die finnische Autorin Saara Turunen erzählt von einer Schriftstellerin, die sich sehnlichst ein Kind wünscht. Von unerbittlichem Ehrgeiz getrieben, ordnet sie sich diesem Ziel vollkommen unter – bis sie sich plötzlich im Körper einer Hyäne wiederfindet, jenes Tiers, das als Aasfresser, Alphaweibchen und für sein hämisches Lachen bekannt ist. Turunen zeichnet das eindrückliche Bild eines Körpers, der fremd geworden ist – und erzählt vom Verschwinden des Rationalen zugunsten eines archaischen, instinktiven Selbst. Wie schon in früheren Arbeiten widmet sie sich dabei weiblichen Lebensentwürfen. Mit einem feinen Gespür für das Skurrile im Alltäglichen erforscht sie, was eine Fruchtbarkeitsbehandlung für den Körper einer Frau bedeutet, warum Fortpflanzung so häufig über Kontrolle definiert wird und wie gesellschaftliche Erwartungen die eigene Wahrnehmung prägen. Turunen thematisiert Mutterschaft nicht diskursiv, sondern radikal visuell – so präzise wie beiläufig, so humorvoll wie eindringlich. Dabei gelingt es ihr, dem Publikum die Empfindungen der Protagonistin ganz nah zu bringen – man kann mitfühlen, nachvollziehen oder sich an eigene Erlebnisse erinnern. Gerade darin liegt die besondere Kraft ihrer Inszenierung: Mithilfe einer klaren Theatersprache, eindrucksvoller Bilder und einer besonderen Musikalität, in der Donna Summer auf Edvard Grieg trifft, verleiht sie den inneren Zuständen ihrer Figuren Gestalt. Neben dem Porträt eines Lebensabschnitts entfaltet sich zugleich eine Reflexion über Kontrolle, Durchhalteideale und die Mechanismen einer Leistungsgesellschaft. „Die Tage der Hyäne“ richtet sich dabei an alle, die jemals nach etwas gestrebt, Rückschläge erlebt und sich plötzlich in einer fremden Welt wiedergefunden haben. Saara Turunen arbeitet als Regisseurin und Autorin in Helsinki und international. In ihren Werken untersucht sie weibliche Perspektiven und Identitätsfragen im Spannungsfeld gesellschaftlicher Normen. Ihr Theater ist radikal visuell – sie verdichtet Emotionen zu kraftvollen Bildern, die im Gedächtnis bleiben. Mit komplexen Soundlandschaften und klaren Kompositionen schafft sie Zugänge zu Gefühlen, die tief im Inneren verborgen scheinen. Ihre Arbeiten wurden in fünfzehn Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Inszenierung: Saara Turunen Bühne: Milja Maaria Aho Choreografie: Janina Rajakangas Kostüm: Liisa Pesonen Video: Ainu Palmu Licht: Ainu Palmu, Mario Waldowski Sound: Tuuli Kyttälä Dramaturgie: Mira Gebhardt Dauer: ca. 1 Std. 30 Min., keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Wanja
Schauspiel Hannover
„Wir werden uns erinnern, wie unglücklich wir jetzt sind, und wir werden lächeln, und wir werden lachen. Das glaube ich wirklich.“ Ivan hätte Künstler werden können. Aber er verwaltet seit Jahren ein Landgut. Eines Tages nistet sich sein Schwager Alexander dort ein: ein früher mal erfolgreicher Filmregisseur, den er finanziell unterstützt. Ivans Nichte Sonia ist derweil schwer verliebt in den Landarzt, der aber nur Augen für Helena hat — Alexanders zweite Frau. In ihrem Selbstmitleid glauben sie alle, allein zu sein. Dabei sind sie sich ähnlicher, als sie denken. Dann fällt ein Schuss. Unerfüllte Hoffnungen und Träume, nicht erwiderte Liebe — „Wanja“ zeigt, wie unglücklich das Leben verlaufen kann... und wie herzergreifend komisch. Liebevoll offenbart das Stück, wie lächerlich wir manchmal sind, und ist dabei doch zum Mit-Leiden, Mit-Hoffen, Mit-Weinen. Simon Stephens hat „Onkel Wanja“ sanft modernisiert und daraus einen Monolog entwickelt, in dem ein einziger Schauspieler alle acht Rollen spielt. So zeigt sich noch eindrücklicher, wie einsam alle Figuren des Tschechow-Universums sind und wie viel sie doch gleichzeitig miteinander verbindet. In unserer Inszenierung wird der Schauspieler Jirka Zett zu erleben sein und unter Beweis stellen, wie im Theater dank der Fantasie des Publikums aus dem Nichts eine ganze Welt entstehen kann. Nach ersten Inszenierungen in der deutschen Theaterlandschaft verschlug es Katharina Birch nach London, wo sie acht Jahre lebte und für das Royal Court Theatre, die Garden Opera Company und weitere Kompanien und Theater arbeitete — unter anderem auch mit Simon Stephens. Aus England hat sie eine besondere Lust aufs Geschichten erzählen mitgebracht und die Überzeugung, dass es bereichernd ist, Texten sehr zu vertrauen. Mit diesem Gedanken im Gepäck ist sie seit ein paar Jahren zurück in Deutschland und inszeniert unter anderem am Schauspielhaus Bochum, Schauspiel Hannover, am Deutschen Theater Göttingen, TJG Dresden und am Theater Münster. Inszenierung: Katharina Birch Bühne und Kostüm: Georg & Paul Licht Tobias Reichstein Dramaturgie: Fabian Schmidtlein Dauer: ca. 1 Std. 40 Min., keine Pause
Aufführungen
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Ich will alles - oder nichts!
Schauspiel Hannover
„Mir sollten sämtliche Wunder begegnen“ Ella Fitzgerald sagte über Hildegard Knef, sie sei „the greatest singer without a voice“, die größte Sängerin ohne Stimme. Es reichte zu einer Weltkarriere: als Schauspielerin, als Sängerin und als Schriftstellerin. Im Dezember 2025 wäre die Knef einhundert Jahre alt geworden. Eine Ikone bis heute. Hildegard Knef war mindestens anderthalb Frauen. Der einzige weibliche Weltstar, den Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg hervorvorbrachte. In Hollywood teilte sie mit Marilyn Monroe eine Garderobe, Marlene Dietrich stattete sie mit Mänteln und Kleidern aus. Sie trat zwei Jahre lang ausverkauft am Broadway auf und ruinierte fast ihre Stimmbänder. Ehe sie als Sängerin und eine der ersten Songschreiberinnen überhaupt eine dritte Karriere machte. Oder war es schon ihre vierte? Hilde Knef war Stehauf-Frau. Diva mit Haltung. Künstliche Wimpern und Bodenständigkeit. Das Herz am rechten Fleck, nein, besser: am linken; denn sie positionierte sich couragiert gegen alles Spießige, gegen alte und neue Nazis. Sie trug ihr Herz auf der Zunge. Ehrlich. Verletzlich. Schonungslos und schwach und stark. Gefallener Engel, als sie aus den USA nach Deutschland zurückkam, Phoenix aus der Asche, als sie mit ihrem autofiktionalen Roman „Der geschenkte Gaul“ einen Weltbestseller landete und auf ihren Tourneen die Konzertsäle füllte. Es ist Zeit, Hildegard Knef (wieder) zu entdecken. Sie und ihre unverwechselbaren Songs — von Hits wie „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ oder „Von nun an ging’s bergab“ bis zu selten gespielten Raritäten. Ein Kritiker meinte, Hildegard Knef habe als Sängerin und Texterin „die deutsche Popmusik im Alleingang erwachsen gemacht“. Sie sang nicht über heile Welt, sondern über One-Night-Stands und Liebe, die scheitert, Chansons, die Kurzgeschichten sind, raffiniert und verrucht. Eine Inspiration für Generationen von Menschen. Eine Künstlerin, die etwas zu sagen hat. Und wie! Katrin Lindner hat offenbar ein Faible für die großen Film- und Musik-Ikonen. Als junge Regisseurin gestaltete sie mit der Schauspielerin Maja Beckmann am Schauspielhaus Bochum einen hinreißenden Abend über Romy Schneider: „Das Sisi-Syndrom“. Später inszenierte sie im Bochumer Kunstbunker ein Solo über Marlene Dietrich. Seitdem folgten Arbeiten u. a. an der Volksbühne Berlin, dem Schauspielhaus Bochum, dem Nationaltheater Mannheim und dem Staatstheater Nürnberg. Zuletzt inszenierte sie an den Münchner Kammerspielen „Fremd“ von Michel Friedman als ergreifendes Schauspielerinnen- Solo. — Lars Ehrhardt wiederum ist in Hannover kein Unbekannter: Der Gitarrist, Songwriter und Musikproduzent ist hier geboren, betreibt in der Stadt ein eigenes Tonstudio und war auch schon im Schauspiel Hannover zu erleben: im Familienstück „Hex. Dornröschen im Feenwald“. Als Musikalischer Leiter war er an zahlreichen Theaterproduktionen beteiligt, u. a. am Thalia Theater und am Schauspielhaus Bochum. Inszenierung: Katrin Lindner Musikalische Leitung: Lars Ehrhardt Bühne: Evi Bauer Kostüm: Lene Schwind Video: Jana Schatz Licht: Tobias Reichstein Dramaturgie: Vasco Boenisch ca. 1 Std. 40 Min., keine Pause
Aufführungen
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Mohameds Odyssee
Schauspiel Hannover
Von Kairo im Jahr 1969 über Paris bis ins Deutschland der 1970er und 1980er Jahre — Ensembleschauspielerin Yasmin Mowafek erzählt die Geschichte ihres Vaters Mohamed. Zwischen Anpassung und Auflehnung, dem Scheitern und Meistern von Bürokratien, führt der Solo-Abend mit viel Humor durch die ereignisreichen Stationen auf Mohameds Reise. Doch die Suche nach einem „besseren Leben in Almanya“ macht aus dem Lebenskünstler und Familienvater vor allem eins — einen abgehärteten Menschen. In Mohameds Odyssee reflektiert Yasmin Mowafek zusammen mit dem Regisseur Leonard Dick fast exemplarisch, inwiefern die rassistischen und klassistischen Strukturen eines Einwanderungslandes wie Deutschland (post)migrantische Lebens- und Familienidentitäten prägen. Welche Heldengeschichten werden erzählt und welche Held:innengeschichten sind ebenso heroisch, obwohl sie vielleicht eher im Verborgenen wirken? „Mohameds Odyssee“ entstand unter dem Titel „Mohameds Reise“ in der Spielzeit 22/23 am Jungen Staatstheater Karlsruhe in der Reihe „Freiräume“. Für die Konzeption des Stücks wurde Yasmin Mowafek im Rahmen ihrer künstlerischen Diplomarbeit mit dem Genderpreis der Kunstuniversität Graz ausgezeichnet. Konzept und Idee: Yasmin Mowafek Regie: Leonard Dick Kostüme: Celine Walentowski Musik: Andrej Agranovski Video: Ansgar Beck Dramaturgie: Saskia Jabłońska Dauer: ca. 1 Stunde, keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Heimsuchung
Schauspiel Hannover
„Ein Haus die dritte Haut, nach der Haut aus Fleisch und der Kleidung“ In einem Haus in Brandenburg wütet die deutsche Geschichte: Jenny Erpenbeck beschwört 15 Menschen und Schicksale, die über einen Zeitraum von 100 Jahren dieses Haus bevölkern und sich in ihm ablagern, überschneiden, spiegeln, kreuzen und brechen. Vom Kaiserreich über die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, die DDR und die Nachwende-Zeit entblättert sich so ein Panorama deutscher Realitäten und der jedem System und jeder Epoche immanenten Gewalt. Die Bewohner*innen des Hauses sind Urheber*innen und Opfer dieser Gewalt, sind Geworfene der Zeit und bezeugen mit ihren Existenzen, dass politischer und gesellschaftlicher Wandel auf Verdrängung und Besetzung basiert. Alle Schicksale eint eine jeweils individuelle Suche nach Heimat und Glück, deren Erfüllung stets nur temporär gelingt — bevor das Rad der Geschichte sich weiterdreht und aus Angekommenen Vertriebene macht. Jenny Erpenbeck, Gewinnerin des International Man Booker Prize, verarbeitet in „Heimsuchung“ auch die eigene (ost-)deutsche Herkunft und untersucht das Verhältnis von Zeitgeschichte und Individuum. Adrian Figueroa arbeitet als Regisseur für Film und Theater. Er studierte in London Angewandtes Theater und war zuletzt regelmäßig am Staatsschauspiel Dresden und dem Düsseldorfer Schauspielhaus tätig. Auch mit Jugendlichen und Inhaftierten der JVA Tegel arbeitet er. Adrian Figueroas Inszenierungen zeichnen sich durch eine hohe atmosphärische Dichte und Genauigkeit aus und stellen ihre Schauspieler*innen ins Zentrum. In seiner Inszenierung von „Arbeit und Struktur“ machte er in Düsseldorf das Leben, Schreiben und Sterben des Autors Wolfgang Herrndorf mit Hilfe eines kongenialen Konzepts von Video, Licht und Bühne eindrücklich erfahrbar. Seine Inszenierung von „Draußen vor der Tür“, ebenfalls für das Düsseldorfer Schauspielhaus, wurde jüngst zum Festival „Radikal jung“ eingeladen. Inszenierung: Adrian Figueroa Bühne: Irina Schicketanz Kostüm: Malena Modéer Musik: Ketan Bhatti Video: Guillaume Cailleau Mitarbeit Video: Elena Tilli Licht: Hendrik Möschler Dramaturgie: Tobias Kluge Dauer: ca. 1 Std. 40 Min., keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Der Großinquisitor
Schauspiel Hannover
„Nichts ist verführerischer für den Menschen als die Freiheit seines Gewissens, aber nichts ist für ihn auch qualvoller.“ Wie viel Freiheit will der Mensch. Also wirklich. Hält er sie überhaupt aus? Vor fast 150 Jahren hat Fjodor Dostojewskij diese brisante Frage in seiner Erzählung vom „Großinquisitor“ gestellt. Spontan würden wir sagen: Freiheit ist das höchste Gut, nach dem alle streben. Für ihre Memoiren wählte Angela Merkel als Titel ausgerechnet: „Freiheit“. „Freedom“ war der Wahlkampfsong von Kamala Harris bei der US-Wahl 2024 gegen Donald Trump; doch offenbar wog der Wunsch nach Freiheit weniger schwer als der Wunsch nach Führung und Autorität, nach dem vermeintlich starken Mann, der Orientierung und Sicherheit verspricht, auch um den Preis vieler Freiheiten. Und wenn wir tief in uns hineinhorchen: Überfordert uns die Freiheit nicht auch oft? Wäre es nicht angenehmer, jemand würde uns all das abnehmen? Dostojewskij berichtet von Jesus, der zur Zeit der spanischen Inquisition auf die Erde zurückkehrt, vom katholischen Großinquisitor, der ihn einsperrt und verhört, und von einem brennenden Kuss. Ensemblemitglied Michael Lippold holt die Geschichte als teuflischen Monolog in den Ballhof. Hans Dreher und Michael Lippold lernten sich 2005 am Schauspielhaus Bochum kennen, als Dreher Regieassistent war und mit dem „Traum eines lächerlichen Menschen“ seine erste Inszenierung vorlegte — ebenso nach einer Erzählung von Dostojewskij und ebenfalls als Solo mit Michael Lippold. Später eröffnete Dreher in Bochum das Rottstr 5 Theater, eine inzwischen legendäre Off-Spielstätte, die er zehn Jahre leitete. Dort entstand „Der Großinquisitor“, der zuletzt auch am Schauspielhaus Bochum zu sehen war. Von 2019 bis 2025 leitete Hans Dreher als Co-Intendant das Prinz Regent Theater in Bochum. Übernahme vom Rottstr 5 Theater Bochum Inszenierung: Hans Dreher Bühne und Kostüm: Hans Dreher, Michael Lippold Licht: Erik Sonnenfeld Dauer: ca. 1 Std. 10 Min., keine Pause
Aufführungen
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Mit anderen Augen
Schauspiel Hannover
„Hello darkness, my old friend“ Wir leben in einer Gesellschaft der Sehenden. Von „Auf Wiedersehen“ über den „blinden Alarm“ bis zur „Liebe auf den ersten Blick“ ist unsere Sprache voller Metaphern des Sehens. Erkenntnis und Vernunft werden mit Licht und Sehen verknüpft, Unmündigkeit und Unvernunft dagegen mit Bildern von Blindheit und Dunkelheit. Die Welt der Blindheit ist den meisten von uns unbekannt, unser Leben auf das Sehen aufgebaut. Doch was geschieht, wenn diese Voraussetzung nicht erfüllt wird: In welchem Raum befinden sich blinde oder sehbehinderte Menschen? Was bedeutet Zeit für sie? Was erzählen Töne, Geräusche? Kann man mit den Ohren sehen? Diesen und anderen Fragen geht „Mit anderen Augen“ nach, eine berührende Theatercollage aus Songs, Texten, Bildern, Klängen und Sinneseindrücken, die auf poetische Weise eintaucht in die Welt der Blindheit. Während dieses musikalischen Abends lenken Texte von blinden und sehbehinderten Menschen und die Lyrics der live gesungenen Songs unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere Wahrnehmung weg vom Visuellen hin zu anderen Sinnen wie dem des Hörens. Nicht als Ersatz, vielleicht als Gewinn. Die acht Spieler*innen und Musiker befinden sich in einem Raum, der sich zwischen Dunkelheit, Unschärfe, hellem Licht und dem Verzicht auf starke Farben bewegt. Die Inszenierung möchte die Aufführung auch für nicht sehendes Publikum erfahrbar machen, auch mit Hilfe von Audiodeskription*. Mehr als sehenswert! Die Regisseurin Selen Kara inszeniert seit mehr als zehn Jahren an renommierten Theatern wie dem Theater Bremen, dem Nationaltheater Mannheim, dem Schauspielhaus Bochum oder dem Düsseldorfer Schauspielhaus. Einfühlsam und mit einem klaren ethischen Kompass nähert sie sich ihren Themen und Stoffen, die von zeitgenössischen Romanen bis zu klassischer und moderner Dramatik reichen. Mit dem Musiker Torsten Kindermann verbindet sie eine langjährige Partnerschaft, in der unter anderem die Theaterabende „Istanbul“ und „Mit anderen Augen“ entstanden, die das Publikum vielerorts berühren und begeistern. Mehrfach war Selen Kara zum Festival „Radikal jung“ eingeladen, und seit 2023 ist sie Co-Intendantin des Schauspiel Essen. Inszenierung: Selen Kara Musikalische Leitung/Szenische Einrichtung: Torsten Kindermann Bühne: Lydia Merkel Kostüm: Emir Medić Licht: Oliver Hisecke Dramaturgie: Vasco Boenisch, Dorothea Neweling Die Uraufführung fand 2022 am Schauspielhaus Bochum statt. *) Hinweis zur Audiodeskription: In etlichen Passagen der Inszenierung werden die Handlungen auf der Bühne, Personen und die Räumlichkeiten von den Schauspieler*innen verbal beschrieben, als integraler Bestandteil der Inszenierung. Eine Voranmeldung oder die Ausleihe von Equipment sind nicht nötig. Dauer: ca. 1 Std. 30 Min., keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Pride
Schauspiel Hannover
„I wish we could just be there touching kissing listening to some soft music with only the sky and stars above us, forgetting about our history, our wars and everything that might tear us apart.“ Herzlich Willkommen. Komm rein! Feier mit uns, hör mit uns Musik, denk mit uns nach über Liebe, über Verzweiflung, über die Angst vor der Einsamkeit — und über Mut. Denn es bedeutet manchmal großen Mut, sein wahres Ich zu zeigen. Gemeinsam mit den neuen Ensemblemitgliedern des Schauspiel Hannover und einem internationalen Tanz-Ensemble erkundet der Autor und Regisseur Falk Richter Geschichten über Stolz und Scham, über das Leben als queere* Person und über die Ängste und Hoffnungen, die mit einem Outing einhergehen. Die mediale Crossover-Inszenierung „PRIDE“ lädt das Hannoveraner Publikum auf eine eindrückliche Reise durch die widerständige, unsichtbar gemachte, bundesrepublikanische (und niedersächsische) Geschichte und Gegenwart ein. Dabei werden die Errungenschaften sowie die aktuelle Gefährdung des Kampfes für die Gleichheit und Freiheit aller Menschen durch ein diverses Ensemble aus unterschiedlichen Generationen und mit unterschiedlichen Perspektiven erzählt — sodass ein vielschichtiges, intimes Porträt von Deutschland im Herbst 2025 entsteht. Falk Richter, selbst in Buchholz, Niedersachen aufgewachsen und ausgezogen, um einer der spannendsten Regisseure Europas zu werden, ist ein Meister, wenn es um die Verknüpfung des Privaten mit dem Politischen geht. Ihm gelingt es, aus persönlichen und fiktionalen Geschichten eine Chronik der Gegenwart zu erschaffen. Dabei ist er als Autor und Regisseur immer berührend, nahbar, politisch und humorvoll zugleich — zuletzt in seiner zum Berliner Theatertreffen eingeladenen Inszenierung „The Silence“, in der er sich auf die Suche nach den Gründen für das Schweigen machte, das seine Kindheit und Jugend in der Nordheide geprägt hat. Die Uraufführung fand 2021 am Königlichen Dänischen Theater in Kopenhagen statt. *) Erklärung: „Queer“ ist ein Sammelbegriff für Menschen, die sich nicht der heteronormativen Gesellschaft zugehörig fühlen. Das können sein: - Lesben und Schwule: Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen. - Bisexuelle: Menschen, die sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen. - Transgender: Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. - Intersexuelle: Menschen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig weiblich oder männlich sind. - Menschen, die sich als nicht-binär oder genderqueer bezeichnen: Menschen, die sich nicht als ausschließlich weiblich oder männlich identifizieren. Kurz gesagt: „Queer“ ist ein Dachbegriff für Menschen, die von der heteronormativen Vorstellung von Geschlecht und Sexualität abweichen. Außerdem beschreibt „queer“ auch eine Haltung, die gesellschaftliche Normen und Kategorien hinterfragt. Inszenierung: Falk Richter Bühne: Wolfgang Menardi Kostüm: Andy Besuch Musik: Nils Ostendorf Video: Signe Emma Licht: Oliver Hisecke Choreografie: Sofia Södergård Dramaturgie: Valerie Göhring Deutschsprachige Erstaufführung von Falk Richter In deutscher und englischer Sprache mit deutschen Übertiteln Dauer: ca. 3 Std., mit 30 Min. Pause
Aufführungen
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Die Frau mit den vier Armen
Schauspiel Hannover
„Es war das erste Mal seit der Expo 2000, dass Dinge, die in Hannover passierten, den Rest der Republik interessierten.“ Tatort Hannover. Am Ufer der Ihme wird ein junger Mann, die Inlineskates noch an den Füßen, tot aufgefunden. Ein Mordfall mit allem, was dazugehört: ein Ermittlungsteam, das im Dunkeln tappt, Obduktionsberichte, Verhöre, Spannung — und eine aufmerksame Journalistin, die mehr über den Fall zu wissen scheint als Kommissarin Rita Aitzinger selbst. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Ilia Schuster steht sie vor vielen Rätseln: Warum musste der junge Mann so früh sterben? Was steckt hinter diesem Mord? Und welche Rolle spielt der Popsong, den er in Dauerschleife gehört hat? Die Ermittlungen navigieren das Team durch Hannover — vom Ihmepark über die Burgerläden Lindens bis zur Staatsoper — und in die Untiefen von Dating-Apps. Was wie ein klassischer Kriminalfall beginnt, entfaltet sich zunehmend als Erkundung menschlicher Emotionen und Abgründe. Mit feinem Gespür erzählt Jakob Nolte von einsamen Jungs, von Sehnsucht und der Suche nach dem Glück. Dabei zeichnet er ein skurriles Panorama von Hannover: einem Hannover, wie es selbst Alteingesessene noch nie gesehen haben — schräg, abgründig und voller Humor. „Die Frau mit den vier Armen“ lässt die Düsternis des Profanen zutage treten — und fragt, was uns wirklich antreibt. Ein Niedersachsen Noir mit Tiefgang. Albrecht Schroeder setzt sich in seinen Arbeiten häufig mit Gegenwartsdramatik auseinander und untersucht die Fallstricke des Menschseins. So inszenierte er mit „Eschenliebe“ von Theresia Walser am Schauspielhaus Bochum die Geschichte eines Mannes, der sich in eine Esche verliebt und damit die Norm infrage stellt. Mal diskursiv-dialogisch, mal trocken-humorvoll, sind seine Inszenierungen aber vor allem von einer großen Zuneigung zu den Figuren geprägt. Albrecht Schroeder mag Pressekonferenzen, Kopfhörer und Scham. Genau der richtige Regisseur für die Uraufführung von „Die Frau mit den vier Armen“! Inszenierung: Albrecht Schroeder Bühne und Kostüm: Julia Katharina Berndt Musik: Paul Eisenach, Wenzel Krah, Felix Kuhnt Licht: Uwe Wegner Dramaturgie: Mira Gebhardt Dauer: ca. 2 Std., keine Pause
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Ein wenig Licht. Und diese Ruhe.
Schauspiel Hannover
„Der Krieg ist hier angekommen, auf der Welt, und wird erst enden, wenn wir verschwunden sind. Unter der Erde.“ Ein Ingenieur denkt über die Herausforderungen der modernen Existenz nach — über das alltägliche Aufwachen in einer Gesellschaft, in der sogar der Himmel Google gehört und bewaffnete Konflikte zur Tagesordnung zählen. Wobei, solange sie nicht das eigene Viertel, die eigene Stadt oder eventuell noch das eigene Land betreffen, verschwinden sie nach zwei Tagen aus der flackernden Aufmerksamkeit. Und seien wir ehrlich: Wenn man nicht einmal die Flaggen der betroffenen Länder kennt, um sie solidarisch zu posten, kann es ja so schlimm nicht sein?! Zwischen Horror und Humor erkundet Sibylle Berg, eine der bekanntesten Schriftstellerinnen und Theaterautorinnen im deutschsprachigen Raum, die dystopisch anmutenden Abgründe unserer Gegenwart. Gespielt wird dieser Ingenieur von der Schauspielerin Katja Riemann, einer langjährigen künstlerischen Weggefährtin von Autorin Sibylle Berg, die bereits in deren Erfolgsstück „Und sicher ist mit mir die Welt verschwunden“ am Berliner Gorki Theater zu sehen war. Sibylle Berg selber ist mit ihrer Stimme ebenfalls Teil der Inszenierung. Die Regisseurin Lena Brasch, 1993 in Berlin-Pankow geboren, fordert mit ihren Inszenierungen die Grenzen des traditionellen Theaterkanons heraus. Bekannt wurde sie durch Stücke über popkulturelle Phänomene wie den am Berliner Ensemble entstandenen Abend „It’s Britney, Bitch!“. Die Inszenierung wurde international in etlichen Medien besprochen und 2022 zum Festival „Radikal jung“ eingeladen. 2019 wurde Lena Brasch von der ZEIT als eine der „100 wichtigsten jungen Ostdeutschen“ ausgezeichnet und zu jenen „ostdeutschen Künstler*innen, die die Republik verändern könnten“, gezählt. Inszenierung: Lena Brasch Bühne: studio dietrich&winter Kostüm: Eleonore Carrière Licht: Maren Zeiss, Marie-Luise Fieker Dramaturgie: Yunus Ersoy Dauer: ca. 1 Std. 30 Min., keine Pause
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Das neue Leben
Schauspiel Hannover
„I love you, I love you, I love you, I love you“ Eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2022 Eingeladen zum Heidelberger Stückemarkt 2022 Ausgezeichnet mit dem Deutschen Theaterpreis Der Faust für Paul Hankinson und Jonas Holle Was, wenn man liebt mit ganzem Herzen, aber diese Liebe unerfüllt bleibt? In der Sammlung von Gedichten und Liedern „Vita Nova“ (Das neue Leben) gibt der Dichter Dante Einblick in seine Gefühle für Beatrice. Mit neun Jahren verliebt er sich unsterblich, erst mit 18 sieht er Beatrice wieder, und nie kommt es zu einer Begegnung — ehe sie schon mit 24 verstirbt. Dante widmet Beatrice sein Leben und all sein Schreiben: Ihr folgt er in seinem Jahrtausendbuch „Die Göttliche Komödie“ von der Hölle durchs Fegefeuer ins Paradies, um sie dort zumindest in der Fiktion wiederzutreffen. Zu Lebzeiten hat Dante Beatrice seine Liebe nie gestanden, ihr früher Tod hinterlässt eine schmerzhafte Lücke. Wie geht man damit um, wenn man etwas nicht gemacht hat? Die Hoffnung auf eine zweite Chance kennen wir alle, auf einen Neuanfang. Aber wie macht man das eigentlich? Mit dieser Leitfrage nähern sich Christopher Rüping und sein Ensemble den mehr als 700 Jahre alten Texten, erzählen sie weiter, durchleben sie gemeinsam. Liebesgedichte aus dem Spätmittelalter treffen auf Popsongs von heute. Daraus entsteht ein Begegnungsraum von zarter Schönheit und großer Kraft. Ein einzigartiger theatraler Trip von der Erde in den Himmel und zurück — auf den Spuren wahrer Liebe und der großen und kleinen Lebensfragen. Was kann ein neues Leben sein, wenn das alte nicht mehr möglich ist. Wie fangen wir neu an. Where do we go from here? Beatrice weiß vielleicht eine Antwort. Der Regisseur Christopher Rüping, 1985 in Hannover geboren, prägt mit seinen außergewöhnlichen Inszenierungen das deutschsprachige Theater. Oft entstehen seine Inszenierungen aus einer entspannten Offenheit dem Publikum gegenüber, in einem Freiraum, in dem sich Spielende und Zuschauende begegnen können. Dass sich daraus ebenso zarte wie überschwängliche Theaterabende entwickeln, klug durchdacht und ohne Angst vor großen Gefühlen, mit intelligentem Witz — das hat Christopher Rüping zu einem der wichtigsten Regisseure seiner Generation gemacht. Bis heute erhielt er fünf Einladungen zum Berliner Theatertreffen, wurde im Magazin „Theater heute“ zweimal zum Regisseur des Jahres gewählt sowie mit dem Nestroy-Theaterpreis und jüngst mit dem Theaterpreis Berlin ausgezeichnet. Inszenierung: Christopher Rüping Bühne: Peter Baur Kostüm: Lene Schwind Musik: Paul Hankinson, Jonas Holle Licht: Bernd Felder, Oliver Hisecke Dramaturgie: Vasco Boenisch Übernahme vom Schauspielhaus Bochum Dauer: ca. 2 Std. 10 Min., keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Hamlet: R2D2 or not 2B2
Schauspiel Hannover
Premiere: 27.2.2026 Fragt man einen KI-Bot, welches Werk den absoluten Höhepunkt der westlichen Theatergeschichte darstellt, lautet die Antwort: „Hamlet“. Nicht überraschend, denn das Drama über den inneren Konflikt eines jungen Prinzen, der vom Geist seines Vaters aufgefordert wird, Vergeltung an dessen Mörder zu üben, hat Generationen begeistert, verstört und fasziniert. William Shakespeare vereint darin die großen Themen der Menschheit: Liebe, Rache, Tod und Wahnsinn. Kann das Stück „Hamlet“ damit als unangefochtene Krönung menschlicher Schaffenskraft gelten? Oder hat dieses Vermächtnis inzwischen eine neue Instanz: die Künstliche Intelligenz, die zunehmend auch in den Bereich der Kreativität vordringt? Wie „Hamlet“ einst an der Schwelle vom Mittelalter zur Renaissance stand, so befinden wir uns heute am Übergang in ein digitales Zeitalter. Die Furcht vor der Übernahme durch Maschinen ist groß — angefacht von Milliardenunternehmen, deren „Anführer“ längst als Schlüsselfiguren dieser Entwicklung gelten. Doch sind nicht auch diese Herrschenden Produkte der menschlichen Spezies, die trotz moralischer Werte seit jeher die Welt, Tiere und einander ausbeutet? Könnte eine KI, eine unbestechliche, korrigierende Instanz, vielleicht sogar die Rettung bringen? In Zusammenarbeit mit dem Ensemble in Hannover nähert sich die niederländische Theaterkompanie De Warme Winkel diesen Fragen mit spielerischer Leichtigkeit und einem vollen Arsenal der Theaterkunst. Ausgehend von „Hamlet“, wagen die Künstler*innen über den Blick in die Zukunft einen Rückschluss auf das, was Menschsein — oder eben nicht sein — bedeutet. Eine Konfrontation, so zeitlos wie notwendig. De Warme Winkel (deutsch: Der heiße Laden) ist eines der bekanntesten Theaterkollektive der Niederlande. Die Gruppe um Ward Weemhoff und Vincent Rietveld fordert seit ihrer Gründung 2002 mit provokanten, humorvollen und scharfsinnigen Arbeiten die Theaterszene auf niederländischen wie internationalen Bühnen heraus. Immer wieder stellt De Warme Winkel sich radikal infrage und schöpft aus unterschiedlichsten Traditionen, Stilen und Mitteln der Bühnenkunst. So plagiierten die Künstler* innen Pina Bauschs „Café Müller“, rechneten in „Achterkant“ mit dem Repertoiretheater ab und befragten in „Gundhi“ die Ikone des Pazifismus Mahatma Gandhi. 2023 wurde ihre erste deutschsprachige Produktion „Der Bus nach Dachau“ zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Hinweis: In einer früheren Version trug die Inszenierung den Titel „Der Geist in der Hamletmaschine“. Auf Wunsch der Rechteverwalter des verstorbenen Schriftstellers Heiner Müller, Autor des Theaterstücks „Die Hamletmaschine“, wurde eine Titeländerung vorgenommen. Konzept: Marieke De Zwaan, Ward Weemhoff, Rosie Sommers Bühne: Theun Mosk Kostüm: Ginta Tinte Vasermane Sound: Marijn Brussaard Endregie: Bianca van der Schoot Choreografie: Byeongsu Lim Licht: Hendrik Möschler Dramaturgie: Mira Gebhardt Koproduktion mit De Warme Winkel In deutscher und englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Aufführungen
| Schauspiel
Blind
Schauspiel Hannover
„Sag mal, was bringt dir das eigentlich, mit dem Finger auf andere zu zeigen? Genau zu wissen, wer auf der falschen Seite steht und warum? “ Die meistgespielte niederländische Theaterautorin Lot Vekemans hat mit „Blind“ das Stück zur Zeit geschrieben. Richard lebt in einer streng gesicherten Gated Community, in die er sich nach dem Tod seiner Frau zurückgezo¬gen hat. Ohne ersichtlichen Grund entlässt er seine Haushälterin und verlangt von seiner einzigen Tochter Helen, sich um ihn zu kümmern, da er droht zu erblinden. Die Beziehung zwischen Vater und Tochter war lange distanziert — zu groß sind die Differenzen, die sie trennen. Richard, einst ein erfolgreicher Ingenieur für Wasserwirtschaft und noch immer von seinem eigenen Können überzeugt, verachtet Helens idealistische Haltung als Anwältin und lehnt die Wahl ihres Ehemanns, eines Schwarzen Intellektuellen, ab. Helen wiederum wirft ihm vor, sich vor den Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft zu verschließen — von Geschlechter¬gerechtigkeit über Rassismus bis zum verantwortungs¬vollen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Während eines ihrer Besuche kommt es zu einem Zwischenfall: Die elektrischen Rollläden schließen sich plötzlich, als wäre ein Überfall im Gange. Vater und Tochter sind gezwungen, miteinander auszuharren — ob sie wollen oder nicht. Lot Vekemans (deren Erfolgsstück „Judas“ bereits in der Cumberlandschen Galerie zu sehen war) beleuchtet in ihrem neusten Werk mit großer Sensibilität die scheinbar unüberbrückbaren Gegensätze, die heute in vielen Familien und Freundeskreisen zu Konflikten führen. Richard und Helen kämpfen politisch und persönlich miteinander — um die richtige Weltsicht, um ihre Souveränität, aber auch um ihre gegenseitige Liebe als Tochter und Vater. Wir erleben eine Beziehung, die menschlicher und tiefer kaum sein kann — wie ihm wahren Leben. Die junge Regisseurin Leonie Rebentisch hat zuletzt mit ihrer Bühnenadaption des Romans „Gittersee“ am Berliner Ensemble auf sich aufmerksam gemacht. Einfühlsam, ohne falsches Sentiment und mit präzisem Fokus auf die Schauspieler*innen inszenierte sie die Geschichte rund um Republikflucht, Coming of Age und eine Jugendliche, die von der Stasi der DDR angeworben wird. Die Presse lobte die „schöne, klare, nie plakative Spielweise“ und die „Spannung und Psychologie, ohne dem Publikum das Denken abzunehmen“. Die Inszenierung wurde 2025 zum Festival „Radikal jung“ eingeladen. Leonie Rebentisch interessiert sich vor allem für dichte und ambivalente Beziehungskonstellationen, von denen auch „Blind“ eindrucksvoll handelt. Inszenierung: Leonie Rebentisch Bühne und Kostüm: Sabine Mäder Komposition: Fabian Kuss Licht: Mario Waldowski Dramaturgie: Yunus Ersoy
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Gewässer im Ziplock
Schauspiel Hannover
Premiere: 20.2.2026 „There is no life without pain.“ Wieder ein Sommer bei den Großeltern in den USA, wie immer in den großen Ferien. Weit weg von den Freund*innen in Berlin und ihrem Vater, dem Kantor einer Synagoge. Weit weg von Nico, mit dem sie sich manchmal trifft. Ob er sie vermisst? Dafür das Schmatzen der Großmutter im Ohr, das eklige Essen, der Schreibkurs. Dann kommt auch noch die verrückte Idee auf, sie zu ihrer Mutter nach Israel zu schicken. Die hat sie und ihren Vater verlassen, als Margarita noch ein Baby war, damals in Hannover. Margarita hat keine Lust, aber was soll sie machen? Die Zeit in Israel ist voller unerwarteter Herausforderungen: eine neue Verliebtheit, Demonstrationen und ein merkwürdiger Roadtrip mit der fremden Mutter. Als die Großmutter ins Krankenhaus muss, treffen Margarita, ihr Vater und die Mutter am Krankenbett in Chicago das erste Mal seit Jahren wieder aufeinander. Margarita muss sich der Herausforderung stellen, in dem Durcheinander von Sprachen, Herkünften, Zugehörigkeit und Traditionen ihren eigenen Weg zu finden und herauszufinden, wer sie sein möchte. Diese Geschichte ist geeignet für „...alle, die schon einmal Liebeskummer hatten. Alle, die Teenager für besonders schlau oder auch für besonders dumm halten. Alle, die einen Körper haben, den sie manchmal nicht mögen. Alle, die Gedanken haben, die sie manchmal nicht mögen. Jeden Menschen, der Selbstmitleid kennt, aber auch jeden Menschen, der Empathie kennt. Menschen, die keine Heimat wollen oder brauchen, und Menschen, die trotzdem ständig Heimweh haben. Menschen mit jüdischen Großmüttern.“ — findet die Autorin Dana Vowinckel. Die Regisseurin Lena Brasch, 1993 in Berlin-Pankow geboren, fordert mit ihren Inszenierungen die Grenzen des traditionellen Theaterkanons heraus. Bekannt wurde sie durch Stücke über popkulturelle Phänomene, wie den am Berliner Ensemble entstandenen Abend „It’s Britney, Bitch!“. Die Inszenierung wurde international in etlichen Medien besprochen und 2022 zum Festival „Radikal jung“ eingeladen. 2019 wurde Lena Brasch von der ZEIT als eine der „100 wichtigsten jungen Ostdeutschen“ ausgezeichnet und zu jenen „ostdeutschen Künstler*innen, die die Republik verändern könnten“, gezählt. Inszenierung: Lena Brasch Bühne: studio dietrich&winter Kostüm: Luisa Wandschneider Musik: Felix Kuhnt, Wenzel Krah Licht: Erik Sonnenfeld Dramaturgie: Cathrin Rose in einer Bühnenfassung für das Schauspiel Hannover für Menschen ab 14 Jahren
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Dalida. Ciao Amore!
Schauspiel Hannover
„Ich verkaufe Träume.“ Deutsch, Französisch, Italienisch, Arabisch, Hebräisch, Englisch — in so vielen Sprachen sang Dalida. Hits wie „Bambino“ und „Paroles, paroles“ machten sie zum Weltstar. Musikgeschichte schrieb sie. Und war doch eine der traurigsten Figuren der Popwelt. Dalidas Karriere währte fast drei Jahrzehnte — und brachte ihr Goldene und Platin-Schallplatten für 150 Millionen verkaufte Tonträger ein, ja, sie erhielt sogar als weltweit erste Künstlerin eine Diamantene Schallplatte. Privat aber wurde ihr Leben von Tragödien überschattet. In ihren Songs spiegelte sich immer auch ihre eigene Melancholie. In tiefer Tonlage, mit rollendem R, sang sie über die eher dunklen Augenblicke des Lebens: „Am Tag, als der Regen kam / lang ersehnt / heiß erfleht…“. Dalida: Das ist ein Mensch auf der Suche nach wahrer Liebe. Ihr Leben: eine Achterbahn zwischen Erfolg und Verzweiflung. Grund genug, dieser Ausnahmekünstlerin einen Abend zu widmen. Musikalisch begleitet von dem Pianisten Julian Friedrich, nähert sich Ensemblemitglied Oana Solomon dem Phänomen Dalida. Oana Solomon, in Bukarest geboren und zuletzt in Hamburg tätig, hat auf eigene Faust schon so manchen Theaterabend initiiert. Mit dem Schauspieler Bernd Grawert entwickelte sie im Nachtasyl des Thalia Theaters „50 Worte für Schnee — Eine Apokalypse-Pop-Show“. Dort entstand auch „Ciao Amore!“. Unterstützung erhielt sie von der Regisseurin Elsa-Sophie Jach. Übernahme vom Thalia Theater Hamburg Inszenierung: Elsa-Sophie Jach Licht: Vincent Schulz Dramaturgie: Susanne Meister
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Iconic - Sisi, Lady Di und die Welfinnen
Schauspiel Hannover
„Die Lüneburg-Braunschweig-Hannoverschen hatten immer schon einen Hang zum Größenwahn.“ Der Adel und die Monarchie dienen seit jeher als Projektionsfläche und Faszinosum. Jeder royale Fehltritt, jeder Betrug, jeder Skandal, jede Eheschließung und jede Intrige tragen das Potenzial in sich, die Massen zu bewegen. Was ist es, das uns so nachhaltig an den Royals und ihren fernen Leben begeistert — und auch triggert? Serien wie „Die Kaiserin“ und „The Crown“ bezeugen eine widersprüchliche Faszination für ihr exklusives Dasein. Denn neben Luxus und Pomp scheint gerade die dunkle Seite der Macht ihr Schillern zu ermöglichen: Einsamkeit, Leistungsdruck, Missbrauch und Selbstausbeutung prägen die meisten royalen Biografien. Die Auserkorenen sind selten glücklich. Und welche Legitimation hat eigentlich eine nicht-gewählte Super-Elite, an deren Händen oft Blut und koloniale Landnahme kleben? Woher kommt überhaupt das ganze Geld? Die Royals bedürfen einer kritischen Inventur. Jorinde Dröse lässt in ihrer Inszenierung verschiedene adlige Frauenfiguren der letzten Jahrhunderte aufeinandertreffen und sucht mit ihnen nach den Funktionen, die sie in unserer Geschichtsschreibung, Unterhaltungskultur und im Patriarchat erfüllen. Welche Schwesternschaften und Allianzen könnten über die Orte, Klassen und Zeiten hinweg die Hütten und Paläste zu gerechten und freien Orten machen? Jorinde Dröse studierte Regie in Hamburg und inszenierte bis 2016 an verschiedenen großen Theatern. Seit 2009 arbeitet sie zudem als Mutter. 2016 machte sie eine Ausbildung zur Erzieherin und war in einer Waldkita tätig. Mit der Spielzeit 21/22 nahm Jorine Dröse ihre Arbeit als Regisseurin wieder auf und setzt in ihren Inszenierungen den Fokus auf feministische Narrative und Diversität. 2023 und 2025 entstanden am Schauspiel Hannover die Erfolgsinszenierungen „Die Wut, die bleibt“ sowie „Und alle so still“, basierend auf den Romanen von Mareike Fallwickl, und 2024 am Berliner Ensemble „#motherfuckinghood“ in Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Claude De Demo. Alle drei Inszenierungen verhandeln aufwühlend und persönlich die Themen Mutterschaft und Care-Arbeit. Inszenierung: Jorinde Dröse Bühne: Anne Ehrlich Kostüm: Juliane Kalkowski Musik: Lars Wittershagen Licht: Marie-Luise Fieker Dramaturgie: Tobias Kluge
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Goethes Faust - Allerdings mit anderem Text und auch andere Melodie
Schauspiel Hannover
„Der Pudel merkte nichts, als er hereingesprungen, die Sache sieht jetzt anders aus; der Teufel kann nicht aus dem Haus.“ „Da kommen Sie und fragen, welche Idee ich in meinem Faust zu verkörpern gesucht. Als ob ich das selber wüsste und aussprechen könnte!“ — Was Goethe selbst nicht erklären konnte oder wollte, werden nun Barbara Bürk und Clemens Sienknecht versuchen. Mit dem Untertitel „allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“ haben die beiden bereits einige große Klassiker der Weltliteratur in ihr ganz eigenes Format transportiert: inhaltlich komprimiert, humorvoll dekonstruiert und liebevoll musikalisiert. In Hannover nehmen sich die beiden nach „Madame Bovary“ (2016) nun Goethes Schwergewicht Faust vor: Ein verhängnisvoller Pakt mit dem Teufel, die Gretchenfrage und die Suche nach dem Moment des absoluten Glücks. Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht Bühne und Kostüme: Anke Grot Musik: Clemens Sienknecht Licht: Heiko Wachs Dramaturgie: Lovis Fricke Dauer: ca. 2 Stunden, keine Pause
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