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Aufführungen | Ballett

Schwanensee. Rotbarts Geschichte

Staatsoper Hannover

„Mich fasziniert die Vorgeschichte zu Schwanensee. Sie ist das Herzstück meines neuen Balletts.“ Goyo Montero Er hat "Cinderella" und "Der Nussknacker" choreografiert, sich mit Weltliteratur wie "Faust", "Don Juan", "Romeo und Julia" oder "Der Steppenwolf" auseinandergesetzt - Goyo Montero zählt zu jenen Choreografen unserer Zeit, denen es gelingt, große Geschichten durch den Tanz neu zu erzählen. Dafür wurde er bereits mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet. Mit dem Staatsballett Hannover widmet er sich nun der ersten bedeutenden Ballettpartitur Piotr Iljitsch Tschaikowskis und damit einem Klassiker, der seit Marius Petipas und Lew Iwanows St. Petersburger Inszenierung von 1895 als das „Ballett der Ballette“ gilt: "Schwanensee". Das Märchen von der Schwanenkönigin Odette, die nur durch ewige Liebe vom Zauber Rotbarts erlöst werden kann, reizt bis heute mit seinen magischen Bildwelten und seelischen Untiefen zu immer neuen Auseinandersetzungen. So auch Goyo Montero, der in seiner ersten Uraufführung für das Staatsballett Hannover seine Bewunderung des klassischen Balletts mit seiner eigenen Entwicklung als zeitgenössischer Choreograf verbindet und uns die bekannte Geschichte aus einer anderen Perspektive zeigt. "Schwanensee. Rotbarts Geschichte" lenkt den Blick auf eine Figur, die das gesamte Geschehen im Griff hat, die wir aber kaum kennen. Atemberaubende Tanzbilder erzählen von einem vom Weg abgekommenen Königssohn, von schmerzenden Traumata, geheimen Sehnsüchten und dem Wissen, dass Menschen immer wieder die gleichen Fehler begehen. Goyo Monteros "Schwanensee" ist die faszinierend abgründige Geschichte eines gefährlichen Außenseiters: die Geschichte Rotbarts. Musikalische Leitung: Piotr Jaworski Choreografie: Goyo Montero Bühne: Leticia Gañán Calvo / Curt Allen Wilmer Kostüme: Salvador Mateu Andujar Licht: Andreas Schmidt Video: Alvaro Luna Dramaturgie: Anne do Paço Xchange: Bettina Stieler ca. 1 Stunde 55 Minuten, eine Pause Einführung: 45 Minuten vor Beginn
Aufführungen | Oper

Der Troubadour

Staatsoper Hannover

Premiere: 13.6.2026 Libretto von Salvadore Cammarano und Leone Emanuele Bardare nach Antonio García Gutiérrez „Er war dein Bruder ... Du bist gerächt, Mutter!“ Azucena Als sich Graf Luna und der Troubadour Manrico nicht nur in einem blutigen Bürgerkrieg als Feinde gegenüberstehen, sondern auch noch in die gleiche Frau verlieben, nimmt eine fatale Tragödie ihren Lauf: Leonora vergiftet sich, Manrico wird von Luna hingerichtet, der daraufhin erfährt, dass er seinen eigenen, verschollen geglaubten Bruder getötet hat. Manrico war nämlich unerkannt bei Azucena aufgewachsen, die einst mit ansehen musste, wie der alte Graf Luna ihre Mutter auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Zutiefst traumatisiert schwor Azucena Rache, entführte den jüngeren Grafensohn, tötete an seiner Stelle aber versehentlich ihr eigenes Kind. Mit seinem Drama El Trovador schrieb Antonio García Gutiérrez 1836 das erfolgreichste und populärste Bühnenwerk der spanischen Romantik. Giuseppe Verdi ließ sich von der düsteren Romanze um Hass und Liebe, Eifersucht und Rache so sehr begeistern, dass er sie ohne Auftrag und damit der Garantie für eine Uraufführung 1849 / 50 zur Grundlage seiner Oper Il Trovatore machte. In ihr fand er das uralte Motiv des Bruderzwistes mit den ihn immer wieder faszinierenden Fragen nach Schicksal, Zufall und innerer Notwendigkeit verschränkt. Aus der bizarren Geschichte verstand er seine Figuren auf äußerst avancierte Weise geradezu herauszumeißeln. An ihren Widersprüchen, ihrem Gefangensein und ihren Sehnsüchten entzündete er seine musikalische Fantasie. In der Neuinszenierung von Wolfgang Nägele kommt mit Il Trovatore ein existenzielles Drama von unvergleichlicher Wucht auf die Bühne der Staatsoper Hannover — eine Geschichte über die Macht von Traumata und emotionalen Wahnsinn. Musikalische Leitung: Masaru Kumakura Inszenierung: Wolfgang Nägele Bühne: Lisa Däßler Kostüme: Irina Spreckelmeyer Licht: Holger Klede Chor: Lorenzo Da Rio Dramaturgie: Anne do Paço Xchange: Matthias Brandt Italienisch mit deutschen und englischen Übertiteln Einführung: 45 Minuten vor Beginn
Aufführungen | Aufführung

An den Rändern wird es hell

Staatsoper Hannover

Eine Collage des Club XL rund um Turandot Lässt dich deine Vergangenheit los? Hinterfragst du deine Liebe? Warum bist du so, wie du bist? Der Club XL vereint in dieser Spielzeit Akteur:innen zwischen 17 und 65 Jahren. Gemeinsam haben sie sich mit Puccinis Turandot auseinandergesetzt und dazu ein eigenes künstlerisches Statement entwickelt. Musikalisch erzählen sie vom schmalen Grat zwischen Scheitern und Hoffnung – und navigieren dabei zwischen Herz und Kopf. Musikalische Leitung: Siiri Niittymaa Szenische Leitung: Matthias Brandt Assistenz: Joanna Friedrich Mit 12 Akteur:innen aus Hannover und der Region Treffpunkt: Opernhaus Seiteneingang rechts
Aufführungen | Oper

Der Barbier von Sevilla

Staatsoper Hannover

Komische Oper von Gioachino Rossini Libretto von Cesare Sterbini nach Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais „Sie haben Riesenglück: Ihnen ist der Käse genau auf die Makkaroni gefallen!“ Figaro Figaro ist nicht nur der Barbier, sondern auch Lebensberater, Verkuppler und Informationszentrale von Sevilla. So stellt er sich uns jedenfalls vor, doch was wir in Rossinis Oper erleben, lässt an der Selbstcharakterisierung zweifeln: Seine Strategien, wie der verliebte Graf Almaviva mit der von ihrem Vormund eifersüchtig bewachten Rosina in Kontakt treten kann, scheitern schon im Ansatz — und wenn Figaro sich selbst einschaltet, wird die Sache nur schlimmer. Gute Voraussetzung für eine turbulente Komödie, die Regisseurin Nicola Hümpel durch zwei Live-Kameras potenziert: Die Inszenierung zeigt uns eine Gruppe von Egoisten, die sich gegenseitig zu manipulieren versuchen. In dem Ansinnen, sich selbst stets im besten Licht dastehen zu lassen, konkurrieren sie um die günstigsten Plätze vor den Kameras, die gnadenlos jedes entgleiste Minenspiel und jede versteckte Verkrampfung vergrößern. Was die Regie mit dem optischen Fokus macht, macht Gioachino Rossinis Musik mit der Zeit: Sie fokussiert mal auf den Moment eines Wimpernschlags und mal auf eine lange Zeitspanne. Aus einer seelischen Krise wird ein handliches Kurzgewitter, aus einer Schrecksekunde eine ausgedehnte Katastrophe. Diese Musik nicht zu mögen: riskant! Das wusste schon Heinrich Heine, der prophezeite: „Die Verächter italienischer Musik, die auch dieser Gattung den Stab brechen, werden einst in der Hölle ihrer wohlverdienten Strafe nicht entgehen und sind vielleicht verdammt, die lange Ewigkeit hindurch nichts anderes zu hören als Fugen von Johann Sebastian Bach.“ Italienisch mit deutschen und englischen Übertiteln ca. 3 Stunden, eine Pause Einführung: 45 Minuten vor Beginn
Aufführungen | Oper

Die tote Stadt

Staatsoper Hannover

Premiere: 9.5.2026 Libretto von Paul Schott nach Georges Rodenbach „Wie weit soll unsre Trauer gehn, wie weit darf sie es, ohn’ uns zu entwurzeln?“ Paul Nach dem Tod seiner Frau Marie lebt Paul zurückgezogen und isoliert in seiner Wohnung. Nur zu seinem Freund Frank und zu Brigitta, die ihm den Haushalt organisiert, hat er noch Kontakt. Doch als Paul auf der Straße die Tänzerin Marietta kennenlernt, die Marie verblüffend ähnlich sieht, nimmt sein von Trauer geprägtes Leben eine Wendung: Während Paul versucht, Marietta mehr und mehr an seine verstorbene Frau anzugleichen, wird der innere Konflikt zwischen Realität und Wunschbild immer raumeinnehmender. Marietta spielt das Spiel zunächst mit, lässt sich aber in ihrer Eigenständigkeit und Freiheit nicht beschränken. Mit Die tote Stadt schuf Erich Wolfgang Korngold 1920 mit gerade einmal 23 Jahren ein kluges Spiel der Trauerbewältigung aus Traum und Wirklichkeit. Während sich die erzählerischen Ebenen untrennbar vermischen, entwickelte Korngold dazu eine fein ausgeklügelte Partitur, die „Traumarbeit“ zum musikalischen Prinzip erklärt. Seine überwältigende, farbenreiche Instrumentation macht die Geschichte um Paul und Marietta zum sinfonischen Trip einer folgenreichen Begegnung. Die Regisseurin Ilaria Lanzino richtet mit Die tote Stadt den Blick auf ein Reich jenseits der Schwelle – ein post-mortem Abstieg in die Welt einer Frau, die sich das Leben nahm. Nach dem plötzlichen Verlust bleiben bei den Zurückgebliebenen Fragen, die sie nicht loslassen. Im Zentrum steht Paul, dessen Suche ihn in die Tiefen einer ungreifbaren Wahrheit führt: Wer war die Frau an seiner Seite – und was blieb ihm zu Lebzeiten an ihr verborgen? Zwischen Erinnerung und Halluzination, Sehnsucht und Trugbild entfaltet sich ein vielschichtiges Kammerspiel über Verlust, rätselhafte Nähe und die Unmöglichkeit, den anderen je vollständig zu kennen. Musikalische Leitung: Mario Hartmuth Inszenierung: Ilaria Lanzino Bühne: Martin Hickmann Kostüme: Vanessa Rust Licht: Johannes Paul Volk Video: Max Schweder Chor: Lorenzo Da Rio Kinderchor: Tatiana Bergh Dramaturgie: Christian Förnzler Xchange: Siiri Niittymaa Chor der Staatsoper Hannover Kinderchor der Staatsoper Hannover Niedersächsisches Staatsorchester Hannover Deutsch mit deutschen und englischen Übertiteln Einführung: 45 Minuten vor Beginn
Aufführungen | Ballett

Verwandlungen

Staatsoper Hannover

Premiere: 18.4.2026 I'm afraid to forget your smile Choreografie, Bühne und Kostüme: Imre van Opstal / Marne van Opstal Bühne und Licht: Tom Visser Choreografische Einstudierung: Chloé Albaret / Benjamin Everett / Kenedy Kallas Mit: Antoine Charbonneau / Kade Cummings, Camryn Pearson / Jay Ariës, Jeremy Villas / Luca Branca, Martin Balabán / Makani Yerg, Alisa Uzunova / Oriana Mestre Oliveira, Emily Seymour / Sofia Fagioli Schmetterling Choreografie, Bühne und Kostüme: Sol León / Paul Lightfoot Licht: Tom Bevoort Projizierte Fotografien: Rahi Rezvani Choreografische Einstudierung: Chloé Albaret / Jorge Nozal / Lauretta Summerscales / Roger Van der Poel Mit: Natalie Wong / Diana van Godtsenhoven, Carl van Godtsenhoven / John Hackett, Kade Cummings / Jay Ariës, Martin Balabán / Camryn Pearson, Edward Nunes / Lorenzo Alberti, Luca Branca, Daniel Róces / Sofia Fagioli, Alisa Uzunova, Stella Tozzi / Tania Angelovski, Emily Seymour / Oriana Mestre Oliveira, Makani Yerg / Antoine Charbonneau „Es sind deine Flügel, die dich schön machen.“ The Magnetic Fields Die Flüchtigkeit des Lebens und die Schönheit des Augenblicks — welche Kunstform vermag diese besser zu erforschen als der Tanz? Für die Premiere Verwandlungen hat Ballettdirektor Goyo Montero zwei Generationen von Künstlerduos eingeladen, die mit ihrer einzigartigen Bewegungssprache fragen: Was sind unsere Vorstellungen von Leben und Tod? Wohin gehen wir? Welche Veränderungen streben wir an? Sol León und Paul Lightfoot prägten über Jahrzehnte als Tänzerin und Tänzer, Choreografen und künstlerische Leiter das Nederlands Dans Theater Den Haag. Seit 1989 bilden sie als gleichberechtigt arbeitendes Duo ein kreatives Epizentrum. Tänzerkarriere machten auch die Geschwister Imre und Marne van Opstal beim NDT. Heute zählen sie mit ihren skulpturalen Choreografien zu den interessantesten Stimmen im zeitgenössischen Tanz. Mit I’m afraid to forget your smile kreierten sie 2022 zu Chorwerken von archaischer Schönheit und meditativer Kraft einen berührenden Kampf gegen die Vergänglichkeit. Schmetterling von Sol León und Paul Lightfoot erzählt in starken Bildern, aber auch mit feiner Poesie und subtilem Humor eine fragile Geschichte des Abschieds zwischen einer Mutter und ihrem Sohn. „Im Wort Schmetterling ist alles enthalten, was dieses Ballett ausmacht: die Flüchtigkeit einer Aufführung, das absurde Kabarett des Lebens und das schnelle Vergehen der Zeit“, so Paul Lightfoot über das 2010 zu Musik von Max Richter und Love Songs der Indie-Rock-Band The Magnetic Fields kreierte Tanzstück. ca. 1 Stunde 45 Minuten, eine Pause Einführung: 45 Minuten vor Beginn
Aufführungen | Schauspiel

Höhere Gewalt

Schauspiel Hannover

„Weil du, wie die meisten Frauen, glaubst, was du glaubst. Und du arbeitest an deinen unglücklichen Beziehungen. Hin und wieder wirst du belohnt mit ein paar Wochen des Friedens und des Glücks, in denen sich der Groll für eine Weile legt. Ich lehne diesen Handel ab. Vielleicht solltest du das auch tun.“ Alles beginnt mit ein paar Familienfotos, am Anfang des Skiurlaubs: Eltern und Kinder lachen, eingemummelt in ihre Schneeanzüge. Der Urlaubsentspannung wird ein jähes Ende bereitet, als eine Lawine heranrollt, während die Eltern und Kinder noch auf der Hotel-Terrasse frühstücken. Die Katastrophe bleibt aus, doch während die Mutter sich schützend vor die Kinder stellt, sucht der Vater instinktiv das Weite. Die Feigheit seiner Handlung lastet auf der Beziehung der Eltern und droht, nicht nur den Urlaub kaputtzumachen, sondern bedeutet eine harte Probe für die ganze Ehe. Mit bösem Humor unterzieht der Regisseur Ruben Östlund, bekannt durch Filme wie „Triangle of Sadness“ und „The Square“, hier das klassische Bild einer modernen Familie einer Prüfung. Eine intelligente Auseinandersetzung mit konventionellen Rollenbildern, über die man auch nach dem Theaterbesuch noch ausgiebig diskutieren kann. Die junge Regisseurin Fritzi Wartenberg wird sich der Theateradaption des Filmes durch den renommierten walisischen Autor Tim Price annehmen. 1997 in Köln geboren, eroberte Fritzi Wartenberg die Bühnen Deutschlands und Österreichs zuletzt im Sturm. Mit ihren ästhetisch herausfordernden und spielerisch präzise gezeichneten Inszenierungen hinterfragt sie geschlechterspezifische Vorprägungen und deren gemeinsame Überwindung. Deutschsprachige Erstaufführung Deutsch von Linda Kokkores Inszenierung: Fritzi Wartenberg Bühne: Polly Stephan Kostüm: Jelena Miletić Musik: Fabian Kalker Licht: Tobias Reichstein Dramaturgie: Fabian Schmidtlein Dauer: ca. 2 Std. 30 Min., mit Pause
Aufführungen | Schauspiel

Blutbuch

Schauspiel Hannover

in einer Fassung von Ran Chai Bar-zvi und Michael Letmathe „Wenn ich an dich denke, denke ich an all die Dinge, die wir uns nie sagen konnten und nie sagen können.“ Bisher erzählte immer Großmutter die Familiengeschichten. Aber sind sie wirklich so passiert? Oder hat die meist mies gelaunte alte Dame die Vergangenheit so gefärbt, wie sie es wollte? Jetzt, wo ihre Erinnerungen allmählich verblassen, ist es für die Hauptfigur in „Blutbuch“ an der Zeit, selbst in die Geschehnisse einzutauchen. Eine turbulente Odyssee durch ihre eigene Biografie beginnt. Dabei stößt sie auf Ereignisse, die aufwühlen, an die sie nicht erinnert werden möchte. Doch immer wenn ein warmer Sommerwind durch die Blutbuche im Garten weht, schöpft sie wieder Kraft und schreibt die Familiengeschichte neu. Ihre Version der Geschichte. Früher fühlte sich ihr eigener Körper fremd an, wie abkoppelt von dem Selbst. Heute identifiziert sie sich als nicht binär. Ihr neugewonnenes Bewusstsein bietet ihrem Körper zum ersten Mal ein Zuhause. Kim de l’Horizons unter anderem mit dem Deutschen und dem Schweizer Buchpreis prämierter Debütroman gleicht formal und inhaltlich einem Kaleidoskop, so schimmernd und kontrastreich, wie Persönlichkeiten es sind, die das Schubladendenken als obsolet entlarven. „Blutbuch“ ist die dritte Arbeit des Regisseurs und Bühnenbildners Ran Chai Bar-zvi am Schauspiel Hannover. Wie Kim de l’Horizons Versuch, alte Zuschreibungen zu durchbrechen und neue Möglichkeitsräume zu öffnen, wird die Inszenierung von Ran Chai Bar-zvi durch die Genres springen und nach neuen Erzählformen forschen. Kurt-Hübner-Regiepreis für Regisseur Ran Chai Bar-zvi Regie: Ran Chai Bar-zvi Bühne: Ran Chai Bar-zvi Bühne Mitarbeit: Margarete Albinger Kostüme: Rahel Künzi Video: Pata Popov Dramaturgie: Michael Letmathe Dauer: ca. 2 Std. 5 Min., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Heimsuchung

Schauspiel Hannover

„Ein Haus die dritte Haut, nach der Haut aus Fleisch und der Kleidung“ In einem Haus in Brandenburg wütet die deutsche Geschichte: Jenny Erpenbeck beschwört 15 Menschen und Schicksale, die über einen Zeitraum von 100 Jahren dieses Haus bevölkern und sich in ihm ablagern, überschneiden, spiegeln, kreuzen und brechen. Vom Kaiserreich über die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, die DDR und die Nachwende-Zeit entblättert sich so ein Panorama deutscher Realitäten und der jedem System und jeder Epoche immanenten Gewalt. Die Bewohner*innen des Hauses sind Urheber*innen und Opfer dieser Gewalt, sind Geworfene der Zeit und bezeugen mit ihren Existenzen, dass politischer und gesellschaftlicher Wandel auf Verdrängung und Besetzung basiert. Alle Schicksale eint eine jeweils individuelle Suche nach Heimat und Glück, deren Erfüllung stets nur temporär gelingt — bevor das Rad der Geschichte sich weiterdreht und aus Angekommenen Vertriebene macht. Jenny Erpenbeck, Gewinnerin des International Man Booker Prize, verarbeitet in „Heimsuchung“ auch die eigene (ost-)deutsche Herkunft und untersucht das Verhältnis von Zeitgeschichte und Individuum. Adrian Figueroa arbeitet als Regisseur für Film und Theater. Er studierte in London Angewandtes Theater und war zuletzt regelmäßig am Staatsschauspiel Dresden und dem Düsseldorfer Schauspielhaus tätig. Auch mit Jugendlichen und Inhaftierten der JVA Tegel arbeitet er. Adrian Figueroas Inszenierungen zeichnen sich durch eine hohe atmosphärische Dichte und Genauigkeit aus und stellen ihre Schauspieler*innen ins Zentrum. In seiner Inszenierung von „Arbeit und Struktur“ machte er in Düsseldorf das Leben, Schreiben und Sterben des Autors Wolfgang Herrndorf mit Hilfe eines kongenialen Konzepts von Video, Licht und Bühne eindrücklich erfahrbar. Seine Inszenierung von „Draußen vor der Tür“, ebenfalls für das Düsseldorfer Schauspielhaus, wurde jüngst zum Festival „Radikal jung“ eingeladen. Inszenierung: Adrian Figueroa Bühne: Irina Schicketanz Kostüm: Malena Modéer Musik: Ketan Bhatti Video: Guillaume Cailleau Mitarbeit Video: Elena Tilli Licht: Hendrik Möschler Dramaturgie: Tobias Kluge Dauer: ca. 1 Std. 40 Min., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Die Tage der Hyäne

Schauspiel Hannover

„Was mich betrifft, könnten die Erde zerstört, die Urwälder verbrannt und die Gewässer verschlammt werden, aber ich möchte trotzdem ein Kind haben.“ Haben Sie sich in einer gynäkologischen Praxis auch schon einmal gefragt, wohin eigentlich mit der Unterhose? Wie über die Nachwirkungen einer Schwangerschaft sprechen, ohne rot anzulaufen? Und was tun, wenn zwischen kinderlosen Freund*innen plötzlich diese unangenehme Stille entsteht – oder der verächtliche Blick das schreiende Baby trifft? „Die Tage der Hyäne“ behandelt diese Fragen ehrlich, humorvoll und vielschichtig. Die finnische Autorin Saara Turunen erzählt von einer Schriftstellerin, die sich sehnlichst ein Kind wünscht. Von unerbittlichem Ehrgeiz getrieben, ordnet sie sich diesem Ziel vollkommen unter – bis sie sich plötzlich im Körper einer Hyäne wiederfindet, jenes Tiers, das als Aasfresser, Alphaweibchen und für sein hämisches Lachen bekannt ist. Turunen zeichnet das eindrückliche Bild eines Körpers, der fremd geworden ist – und erzählt vom Verschwinden des Rationalen zugunsten eines archaischen, instinktiven Selbst. Wie schon in früheren Arbeiten widmet sie sich dabei weiblichen Lebensentwürfen. Mit einem feinen Gespür für das Skurrile im Alltäglichen erforscht sie, was eine Fruchtbarkeitsbehandlung für den Körper einer Frau bedeutet, warum Fortpflanzung so häufig über Kontrolle definiert wird und wie gesellschaftliche Erwartungen die eigene Wahrnehmung prägen. Turunen thematisiert Mutterschaft nicht diskursiv, sondern radikal visuell – so präzise wie beiläufig, so humorvoll wie eindringlich. Dabei gelingt es ihr, dem Publikum die Empfindungen der Protagonistin ganz nah zu bringen – man kann mitfühlen, nachvollziehen oder sich an eigene Erlebnisse erinnern. Gerade darin liegt die besondere Kraft ihrer Inszenierung: Mithilfe einer klaren Theatersprache, eindrucksvoller Bilder und einer besonderen Musikalität, in der Donna Summer auf Edvard Grieg trifft, verleiht sie den inneren Zuständen ihrer Figuren Gestalt. Neben dem Porträt eines Lebensabschnitts entfaltet sich zugleich eine Reflexion über Kontrolle, Durchhalteideale und die Mechanismen einer Leistungsgesellschaft. „Die Tage der Hyäne“ richtet sich dabei an alle, die jemals nach etwas gestrebt, Rückschläge erlebt und sich plötzlich in einer fremden Welt wiedergefunden haben. Saara Turunen arbeitet als Regisseurin und Autorin in Helsinki und international. In ihren Werken untersucht sie weibliche Perspektiven und Identitätsfragen im Spannungsfeld gesellschaftlicher Normen. Ihr Theater ist radikal visuell – sie verdichtet Emotionen zu kraftvollen Bildern, die im Gedächtnis bleiben. Mit komplexen Soundlandschaften und klaren Kompositionen schafft sie Zugänge zu Gefühlen, die tief im Inneren verborgen scheinen. Ihre Arbeiten wurden in fünfzehn Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Inszenierung: Saara Turunen Bühne: Milja Maaria Aho Choreografie: Janina Rajakangas Kostüm: Liisa Pesonen Video: Ainu Palmu Licht: Ainu Palmu, Mario Waldowski Sound: Tuuli Kyttälä Dramaturgie: Mira Gebhardt Dauer: ca. 1 Std. 30 Min., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Ein Mann seiner Klasse

Schauspiel Hannover

Christian und sein Bruder Benny ziehen die Bettdecken über die Köpfe und halten die Luft an, wenn drüben der Vater die Mutter gegen die Wand schleudert. Die Gewalt ist zur Normalität geworden, genauso wie die Armut, in der sie leben, und der Reflex, nichts nach außen dringen zu lassen, bloß nicht aufzufallen. Die Wutausbrüche des trinkenden Vaters sind unberechenbar und exzessiv, und doch hofft Christian immer, dass er bleibt. Er schaut auf zu dem Mann, der eine Waschmaschine alleine in den vierten Stock tragen kann und die Familie davor beschützt, im Kalkofen zu landen, dem Viertel, in dem die wohnen, denen es noch schlechter geht. Unter den abfälligen Blicken der Nachbarn scheint die Zukunft der Kinder bereits vorgezeichnet. Als die Mutter ernsthaft erkrankt, schreitet eine couragierte Tante ein und die Dinge beginnen sich zu verändern. Als einer, der davonkam, blickt Autor Christian Baron in seinem 2020 erschienenen Debütroman zurück auf eine Arbeiterkindheit in Kaiserslautern und stellt die Frage, wer oder was seinen Vater zu dem machte, der er war. Baron erzählt von skandalöser Armut in einem reichen Land, von den wirkungsvollen Mechanismen der Ausgrenzung, vom Ringen um Stolz und Würde und hält dem Hohn der Gesellschaft eine berührende Familienbiografie entgegen. Lukas Holzhausen ist Schauspieler und Regisseur. Seit der Spielzeit 2019/20 ist er fest im Ensemble des Schauspiel Hannover, hier inszeniert er in dieser Spielzeit außerdem Dostojewskis Aufzeichnungen aus dem Kellerloch. Bei nassem Schnee. Regie: Lukas Holzhausen Bühne und Kostüme: Katja Haß Musik: Robert Pawliczek Dramaturgie: Annika Henrich Dauer: ca. 2 Std., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Die Wut, die bleibt

Schauspiel Hannover

Koproduktion mit den Salzburger Festspielen „Es gibt kein geheimes Wissen, das uns zu Müttern macht. Aber jeder erwartet, dass wir ab der Sekunde der Geburt nie einen Fehler im Umgang mit dem Kind machen, weil wir angeblich einen Instinkt dafür haben.“ Drei Frauen, die mit ihren Ansprüchen an Familie, Freundschaft und Glücksversprechen kämpfen: Mareike Fallwickls Erfolgsroman fragt, wie ein Leben inmitten verschiedener Bedürfnisse und Anforderungen gelingen kann. Alles beginnt mit einer unfassbaren Tat: Wortlos steht Helene, Mutter von drei Kindern, vom Abendessen auf und stürzt sich vom Balkon. Sarah, ihre beste Freundin, unterstützt die trauernde Familie. Doch ihr eigenes Leben gerät dabei wie selbstverständlich in den Hintergrund und ein Gefühl bahnt sich den Weg an die Oberfläche: Wut. Lola, Helenes Tochter, fühlt diese Wut noch stärker, ihre Anklage richtet sich gegen das Patriarchat an sich, dem sie entschlossen den Kampf ansagt. Regie: Jorinde Dröse Bühne: Katja Haß Kostüme: Juliane Kalkowski Musik: Jörg Kleemann Choreografie: Suzan Demircan Dramaturgie: Johanna Vater Dauer: ca. 2 Stunden, keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Burn, Baby, Burn!

Schauspiel Hannover

Premiere: 17.4.2026 In einer Welt, die immer mehr in Flammen aufgeht, stellt sich die Frage nach dem Untergang fast schon routiniert. Ist unsere Gesellschaft auf dem Weg, sich selbst zu zerstören, ähnlich wie das alte Rom? Während in Los Angeles die Waldbrände wüten, starren wir auf unsere Handys. Noch. Bis wir selbst das Handy in die Hand nehmen und die dystopischen Bilder nicht mehr nur streamen, sondern live erleben. Wie bei Nero, der Roms Brennen für seinen Machtausbau nutzte, liegt auch heute die Macht in den Händen derjenigen, die das Chaos als Chance sehen. Oft dient der Blick auf vergangene Imperien als Schlüssel zur Deutung der Gegenwart. Es ist kein Zufall, dass die sozialen Medien das Revival der Idee vom überlegenen Westen in Trumps Amerika befördern und sich dabei auf antike Herrscher und narzisstische Könige beziehen. Doch was passiert, wenn die Flammen nicht nur als Zerstörung, sondern als Neuanfang betrachtet werden? In ihrer Arbeit stellt die Theaterregisseurin Yael Ronen die Art und Weise infrage, wie Geschichte und Macht vereinnahmt und verklärend dargestellt werden. Sie zieht beunruhigende Parallelen zwischen antiken Herrschern und heutigen politischen Figuren. Sie hinterfragt populäre Darstellungen von Macht und Zerstörung und lädt das Publikum ein, die Geschichten, die wir uns über Verfall und Wiedergeburt erzählen, neu (und humorvoll) zu denken. Oder um es mit ihren Worten zu sagen: in den liebenden Armen der Komödie Trost zu finden. Yael Ronen, 1976 in Jerusalem geboren, ist eine der erfolgreichsten und prägendsten Regisseurinnen ihrer Generation. Wie kaum jemand sonst versteht sie es, mit den Mitteln der Komödie auf die Krisen unserer Gegenwart zu reagieren. Der internationale Durchbruch gelang Yael Ronen 2010 mit der Produktion „Dritte Generation“, einer Koproduktion der Schaubühne, des Habima Theater, Tel Aviv und der Ruhrtriennale mit Schauspieler*innen aus Deutschland, Israel und Palästina. Von 2015 bis 2023 war sie Hausregisseurin am Berliner Gorki Theater. Sie wurde mit ihren Arbeiten bisher insgesamt vier Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen, zuletzt 2024. Des Weiteren ist sie zweifache Nestroy-Preisträgerin und wurde mit dem Europe Prize for Theatrical Realities ausgezeichnet. Yael Ronen wird das erste Mal am Schauspiel Hannover arbeiten. Inszenierung: Yael Ronen Bühne: Evi Bauer Kostüm: Amit Epstein Musik: Ofer Shabi, Yaniv Fridel Video: Stefano Di Buduo Licht: Oliver Hisecke Dramaturgie: Yunus Ersoy, Irina Szodruch
Aufführungen | Schauspiel

PRIDE

Schauspiel Hannover

„I wish we could just be there touching kissing listening to some soft music with only the sky and stars above us, forgetting about our history, our wars and everything that might tear us apart.“ Herzlich Willkommen. Komm rein! Feier mit uns, hör mit uns Musik, denk mit uns nach über Liebe, über Verzweiflung, über die Angst vor der Einsamkeit — und über Mut. Denn es bedeutet manchmal großen Mut, sein wahres Ich zu zeigen. Gemeinsam mit den neuen Ensemblemitgliedern des Schauspiel Hannover und einem internationalen Tanz-Ensemble erkundet der Autor und Regisseur Falk Richter Geschichten über Stolz und Scham, über das Leben als queere* Person und über die Ängste und Hoffnungen, die mit einem Outing einhergehen. Die mediale Crossover-Inszenierung „PRIDE“ lädt das Hannoveraner Publikum auf eine eindrückliche Reise durch die widerständige, unsichtbar gemachte, bundesrepublikanische (und niedersächsische) Geschichte und Gegenwart ein. Dabei werden die Errungenschaften sowie die aktuelle Gefährdung des Kampfes für die Gleichheit und Freiheit aller Menschen durch ein diverses Ensemble aus unterschiedlichen Generationen und mit unterschiedlichen Perspektiven erzählt — sodass ein vielschichtiges, intimes Porträt von Deutschland im Herbst 2025 entsteht. Falk Richter, selbst in Buchholz, Niedersachen aufgewachsen und ausgezogen, um einer der spannendsten Regisseure Europas zu werden, ist ein Meister, wenn es um die Verknüpfung des Privaten mit dem Politischen geht. Ihm gelingt es, aus persönlichen und fiktionalen Geschichten eine Chronik der Gegenwart zu erschaffen. Dabei ist er als Autor und Regisseur immer berührend, nahbar, politisch und humorvoll zugleich — zuletzt in seiner zum Berliner Theatertreffen eingeladenen Inszenierung „The Silence“, in der er sich auf die Suche nach den Gründen für das Schweigen machte, das seine Kindheit und Jugend in der Nordheide geprägt hat. Die Uraufführung fand 2021 am Königlichen Dänischen Theater in Kopenhagen statt. *) Erklärung: „Queer“ ist ein Sammelbegriff für Menschen, die sich nicht der heteronormativen Gesellschaft zugehörig fühlen. Das können sein: — Lesben und Schwule: Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen. 
 — Bisexuelle: Menschen, die sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen. 
 — Transgender: Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. 
 — Intersexuelle: Menschen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig weiblich oder männlich sind. 
 — Menschen, die sich als nicht-binär oder genderqueer bezeichnen: Menschen, die sich nicht als ausschließlich weiblich oder männlich identifizieren. 
 Kurz gesagt: „Queer“ ist ein Dachbegriff für Menschen, die von der heteronormativen Vorstellung von Geschlecht und Sexualität abweichen. Außerdem beschreibt „queer“ auch eine Haltung, die gesellschaftliche Normen und Kategorien hinterfragt. Inszenierung: Falk Richter Bühne: Wolfgang Menardi Kostüm: Andy Besuch Musik: Nils Ostendorf Video: Signe Emma Licht: Oliver Hisecke Choreografie: Sofia Södergård Dramaturgie: Valerie Göhring Deutschsprachige Erstaufführung von Falk Richter In deutscher und englischer Sprache mit deutschen Übertiteln Dauer: ca. 3 Std., mit 30 Min. Pause
Aufführungen | Schauspiel

Deutsch, du Schuft!

Schauspiel Hannover

Premiere: 10.4.2026 „In welcher Sprache träumst du?“ Warum gibt es im Deutschen 100 Wörter für „Gehweg“, aber keines für das Gefühl, wenn du satt und glücklich in einen Mittagsschlaf fällst? Warum klingen manche Worte wie Befehle und andere wie ein Unfall im Mund? Und wer bestimmt eigentlich, was „richtiges“ Deutsch ist? In „Deutsch, du Schuft!“ begeben wir uns auf eine wilde Reise durch die Welt der Worte — dorthin, wo Sprache fehlt, sich verheddert oder neue Bedeutungen annimmt. Denn Sprache bestimmt, was wir benennen können, und prägt, wie wir die Welt wahrnehmen. Was passiert, wenn wir an diese Grenzen gehen? Wenn wir Dinge neu benennen und Bedeutungen verschieben? Die Realität verändert sich mit den Worten — und genau deshalb ist entscheidend, welche wir wählen. Gemeinsam mit dem Draufsichtsrat* und Schulklassen beschäftigen wir uns mit den Tücken der deutschen Sprache, der Macht von Wörtern und der Frage, zu wem wir werden, wenn wir in einer anderen Sprache sprechen oder in ihr träumen. Eine spielerische Performance über Worte und Sprache, aber auch über Identität, Macht und das große Vergnügen, Sprache einfach weiter zu erfinden. Für Wera Mahne bedeutet künstlerisches Arbeiten zuzuhören. Grundlegend für ihre Arbeit ist somit auch die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen als Feedback-Geber*innen und Gestalter*innen einer Kunstform, die für sie sein soll. Wera Mahne arbeitete u.a. am Düsseldorfer Schauspielhaus, dem Schauspiel Hannover, dem FFT Düsseldorf, dem Theater an der Parkaue Berlin und dem Berliner Gorki Theater. 2020 entwickelte sie — unter anderem mit Kübra Sekin — die Produktion „Performing Family“ am Jungen Nationaltheater Mannheim. Ihr Stück „Weg vom Fenster“ entstand 2022 in Zusammenarbeit mit dem Ensemble und der Drama Control des Theaterreviers (Junges Schauspielhaus Bochum). Seit Jahren arbeitet sie zudem mit der Performancegruppe „Leute wie die“ aus Berlin und NRW, in deren Inszenierungen Laut- und Gebärdensprache gleichberechtigt eingesetzt werden. Wera liebt es, Dinge zum ersten Mal zu machen, und wir lieben es, sie dabei begleiten zu dürfen. * Der Draufsichtsrat ist der Kinder- und Jugendaufsichtsrat des Jungen Schauspiel Hannover, der ab der Spielzeit 25/26 in Aktion tritt. Inszenierung: Wera Mahne Bühne: Declan Hurley Kostüm: Isabelle Edi Musik: Anne Rietmeijer Licht: Markus Schwieger, Finn Ruben Schöls Dramaturgie: Kat Heß
Aufführungen | Schauspiel

Die Frau mit den vier Armen

Schauspiel Hannover

„Es war das erste Mal seit der Expo 2000, dass Dinge, die in Hannover passierten, den Rest der Republik interessierten.“ Tatort Hannover. Am Ufer der Ihme wird ein junger Mann, die Inlineskates noch an den Füßen, tot aufgefunden. Ein Mordfall mit allem, was dazugehört: ein Ermittlungsteam, das im Dunkeln tappt, Obduktionsberichte, Verhöre, Spannung — und eine aufmerksame Journalistin, die mehr über den Fall zu wissen scheint als Kommissarin Rita Aitzinger selbst. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Ilia Schuster steht sie vor vielen Rätseln: Warum musste der junge Mann so früh sterben? Was steckt hinter diesem Mord? Und welche Rolle spielt der Popsong, den er in Dauerschleife gehört hat? Die Ermittlungen navigieren das Team durch Hannover — vom Ihmepark über die Burgerläden Lindens bis zur Staatsoper — und in die Untiefen von Dating-Apps. Was wie ein klassischer Kriminalfall beginnt, entfaltet sich zunehmend als Erkundung menschlicher Emotionen und Abgründe. Mit feinem Gespür erzählt Jakob Nolte von einsamen Jungs, von Sehnsucht und der Suche nach dem Glück. Dabei zeichnet er ein skurriles Panorama von Hannover: einem Hannover, wie es selbst Alteingesessene noch nie gesehen haben — schräg, abgründig und voller Humor. „Die Frau mit den vier Armen“ lässt die Düsternis des Profanen zutage treten — und fragt, was uns wirklich antreibt. Ein Niedersachsen Noir mit Tiefgang. Albrecht Schroeder setzt sich in seinen Arbeiten häufig mit Gegenwartsdramatik auseinander und untersucht die Fallstricke des Menschseins. So inszenierte er mit „Eschenliebe“ von Theresia Walser am Schauspielhaus Bochum die Geschichte eines Mannes, der sich in eine Esche verliebt und damit die Norm infrage stellt. Mal diskursiv-dialogisch, mal trocken-humorvoll, sind seine Inszenierungen aber vor allem von einer großen Zuneigung zu den Figuren geprägt. Albrecht Schroeder mag Pressekonferenzen, Kopfhörer und Scham. Genau der richtige Regisseur für die Uraufführung von „Die Frau mit den vier Armen“! Inszenierung: Albrecht Schroeder Bühne und Kostüm: Julia Katharina Berndt Musik: Paul Eisenach, Wenzel Krah, Felix Kuhnt Licht: Uwe Wegner Dramaturgie: Mira Gebhardt Dauer: ca. 2 Std., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Mit anderen Augen

Schauspiel Hannover

„Hello darkness, my old friend“ Wir leben in einer Gesellschaft der Sehenden. Von „Auf Wiedersehen“ über den „blinden Alarm“ bis zur „Liebe auf den ersten Blick“ ist unsere Sprache voller Metaphern des Sehens. Erkenntnis und Vernunft werden mit Licht und Sehen verknüpft, Unmündigkeit und Unvernunft dagegen mit Bildern von Blindheit und Dunkelheit. Die Welt der Blindheit ist den meisten von uns unbekannt, unser Leben auf das Sehen aufgebaut. Doch was geschieht, wenn diese Voraussetzung nicht erfüllt wird: In welchem Raum befinden sich blinde oder sehbehinderte Menschen? Was bedeutet Zeit für sie? Was erzählen Töne, Geräusche? Kann man mit den Ohren sehen? Diesen und anderen Fragen geht „Mit anderen Augen“ nach, eine berührende Theatercollage aus Songs, Texten, Bildern, Klängen und Sinneseindrücken, die auf poetische Weise eintaucht in die Welt der Blindheit. Während dieses musikalischen Abends lenken Texte von blinden und sehbehinderten Menschen und die Lyrics der live gesungenen Songs unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere Wahrnehmung weg vom Visuellen hin zu anderen Sinnen wie dem des Hörens. Nicht als Ersatz, vielleicht als Gewinn. Die acht Spieler*innen und Musiker befinden sich in einem Raum, der sich zwischen Dunkelheit, Unschärfe, hellem Licht und dem Verzicht auf starke Farben bewegt. Die Inszenierung möchte die Aufführung auch für nicht sehendes Publikum erfahrbar machen, auch mit Hilfe von Audiodeskription*. Mehr als sehenswert! Die Regisseurin Selen Kara inszeniert seit mehr als zehn Jahren an renommierten Theatern wie dem Theater Bremen, dem Nationaltheater Mannheim, dem Schauspielhaus Bochum oder dem Düsseldorfer Schauspielhaus. Einfühlsam und mit einem klaren ethischen Kompass nähert sie sich ihren Themen und Stoffen, die von zeitgenössischen Romanen bis zu klassischer und moderner Dramatik reichen. Mit dem Musiker Torsten Kindermann verbindet sie eine langjährige Partnerschaft, in der unter anderem die Theaterabende „Istanbul“ und „Mit anderen Augen“ entstanden, die das Publikum vielerorts berühren und begeistern. Mehrfach war Selen Kara zum Festival „Radikal jung“ eingeladen, und seit 2023 ist sie Co-Intendantin des Schauspiel Essen. Inszenierung: Selen Kara Musikalische Leitung/Szenische Einrichtung: Torsten Kindermann Bühne: Lydia Merkel Kostüm: Emir Medić Licht: Oliver Hisecke Dramaturgie: Vasco Boenisch, Dorothea Neweling Die Uraufführung fand 2022 am Schauspielhaus Bochum statt. *) Hinweis zur Audiodeskription: In etlichen Passagen der Inszenierung werden die Handlungen auf der Bühne, Personen und die Räumlichkeiten von den Schauspieler*innen verbal beschrieben, als integraler Bestandteil der Inszenierung. Eine Voranmeldung oder die Ausleihe von Equipment sind nicht nötig. Dauer: ca. 1 Std. 30 Min., keine Pause
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Blind

Schauspiel Hannover

„Sag mal, was bringt dir das eigentlich, mit dem Finger auf andere zu zeigen? Genau zu wissen, wer auf der falschen Seite steht und warum? “ Die meistgespielte niederländische Theaterautorin Lot Vekemans hat mit „Blind“ das Stück zur Zeit geschrieben. Richard lebt in einer streng gesicherten Gated Community, in die er sich nach dem Tod seiner Frau zurückgezo¬gen hat. Ohne ersichtlichen Grund entlässt er seine Haushälterin und verlangt von seiner einzigen Tochter Helen, sich um ihn zu kümmern, da er droht zu erblinden. Die Beziehung zwischen Vater und Tochter war lange distanziert — zu groß sind die Differenzen, die sie trennen. Richard, einst ein erfolgreicher Ingenieur für Wasserwirtschaft und noch immer von seinem eigenen Können überzeugt, verachtet Helens idealistische Haltung als Anwältin und lehnt die Wahl ihres Ehemanns, eines Schwarzen Intellektuellen, ab. Helen wiederum wirft ihm vor, sich vor den Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft zu verschließen — von Geschlechter¬gerechtigkeit über Rassismus bis zum verantwortungs¬vollen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Während eines ihrer Besuche kommt es zu einem Zwischenfall: Die elektrischen Rollläden schließen sich plötzlich, als wäre ein Überfall im Gange. Vater und Tochter sind gezwungen, miteinander auszuharren — ob sie wollen oder nicht. Lot Vekemans (deren Erfolgsstück „Judas“ bereits in der Cumberlandschen Galerie zu sehen war) beleuchtet in ihrem neusten Werk mit großer Sensibilität die scheinbar unüberbrückbaren Gegensätze, die heute in vielen Familien und Freundeskreisen zu Konflikten führen. Richard und Helen kämpfen politisch und persönlich miteinander — um die richtige Weltsicht, um ihre Souveränität, aber auch um ihre gegenseitige Liebe als Tochter und Vater. Wir erleben eine Beziehung, die menschlicher und tiefer kaum sein kann — wie ihm wahren Leben. Die junge Regisseurin Leonie Rebentisch hat zuletzt mit ihrer Bühnenadaption des Romans „Gittersee“ am Berliner Ensemble auf sich aufmerksam gemacht. Einfühlsam, ohne falsches Sentiment und mit präzisem Fokus auf die Schauspieler*innen inszenierte sie die Geschichte rund um Republikflucht, Coming of Age und eine Jugendliche, die von der Stasi der DDR angeworben wird. Die Presse lobte die „schöne, klare, nie plakative Spielweise“ und die „Spannung und Psychologie, ohne dem Publikum das Denken abzunehmen“. Die Inszenierung wurde 2025 zum Festival „Radikal jung“ eingeladen. Leonie Rebentisch interessiert sich vor allem für dichte und ambivalente Beziehungskonstellationen, von denen auch „Blind“ eindrucksvoll handelt. Inszenierung: Leonie Rebentisch Bühne und Kostüm: Sabine Mäder Komposition: Fabian Kuss Licht: Mario Waldowski Dramaturgie: Yunus Ersoy
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Hamlet: R2D2 or not 2B2

Schauspiel Hannover

Fragt man einen KI-Bot, welches Werk den absoluten Höhepunkt der westlichen Theatergeschichte darstellt, lautet die Antwort: „Hamlet“. Nicht überraschend, denn das Drama über den inneren Konflikt eines jungen Prinzen, der vom Geist seines Vaters aufgefordert wird, Vergeltung an dessen Mörder zu üben, hat Generationen begeistert, verstört und fasziniert. William Shakespeare vereint darin die großen Themen der Menschheit: Liebe, Rache, Tod und Wahnsinn. Kann das Stück „Hamlet“ damit als unangefochtene Krönung menschlicher Schaffenskraft gelten? Oder hat dieses Vermächtnis inzwischen eine neue Instanz: die Künstliche Intelligenz, die zunehmend auch in den Bereich der Kreativität vordringt? Wie „Hamlet“ einst an der Schwelle vom Mittelalter zur Renaissance stand, so befinden wir uns heute am Übergang in ein digitales Zeitalter. Die Furcht vor der Übernahme durch Maschinen ist groß — angefacht von Milliardenunternehmen, deren „Anführer“ längst als Schlüsselfiguren dieser Entwicklung gelten. Doch sind nicht auch diese Herrschenden Produkte der menschlichen Spezies, die trotz moralischer Werte seit jeher die Welt, Tiere und einander ausbeutet? Könnte eine KI, eine unbestechliche, korrigierende Instanz, vielleicht sogar die Rettung bringen? In Zusammenarbeit mit dem Ensemble in Hannover nähert sich die niederländische Theaterkompanie De Warme Winkel diesen Fragen mit spielerischer Leichtigkeit und einem vollen Arsenal der Theaterkunst. Ausgehend von „Hamlet“, wagen die Künstler*innen über den Blick in die Zukunft einen Rückschluss auf das, was Menschsein — oder eben nicht sein — bedeutet. Eine Konfrontation, so zeitlos wie notwendig. De Warme Winkel (deutsch: Der heiße Laden) ist eines der bekanntesten Theaterkollektive der Niederlande. Die Gruppe um Ward Weemhoff und Vincent Rietveld fordert seit ihrer Gründung 2002 mit provokanten, humorvollen und scharfsinnigen Arbeiten die Theaterszene auf niederländischen wie internationalen Bühnen heraus. Immer wieder stellt De Warme Winkel sich radikal infrage und schöpft aus unterschiedlichsten Traditionen, Stilen und Mitteln der Bühnenkunst. So plagiierten die Künstler* innen Pina Bauschs „Café Müller“, rechneten in „Achterkant“ mit dem Repertoiretheater ab und befragten in „Gundhi“ die Ikone des Pazifismus Mahatma Gandhi. 2023 wurde ihre erste deutschsprachige Produktion „Der Bus nach Dachau“ zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Hinweis: In einer früheren Version trug die Inszenierung den Titel „Der Geist in der Hamletmaschine“. Auf Wunsch der Rechteverwalter des verstorbenen Schriftstellers Heiner Müller, Autor des Theaterstücks „Die Hamletmaschine“, wurde eine Titeländerung vorgenommen. Konzept: Marieke De Zwaan, Ward Weemhoff, Rosie Sommers Bühne: Theun Mosk Kostüm: Ginta Tinte Vasermane Sound: Marijn Brussaard Endregie: Bianca van der Schoot Choreografie: Byeongsu Lim Licht: Hendrik Möschler Dramaturgie: Mira Gebhardt Koproduktion mit De Warme Winkel In deutscher und englischer Sprache mit deutschen Übertiteln Dauer: ca. 1 Std., 20 Min., keine Pause
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Ich will alles - oder nichts!

Schauspiel Hannover

„Mir sollten sämtliche Wunder begegnen“ Ella Fitzgerald sagte über Hildegard Knef, sie sei „the greatest singer without a voice“, die größte Sängerin ohne Stimme. Es reichte zu einer Weltkarriere: als Schauspielerin, als Sängerin und als Schriftstellerin. Im Dezember 2025 wäre die Knef einhundert Jahre alt geworden. Eine Ikone bis heute. Hildegard Knef war mindestens anderthalb Frauen. Der einzige weibliche Weltstar, den Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg hervorvorbrachte. In Hollywood teilte sie mit Marilyn Monroe eine Garderobe, Marlene Dietrich stattete sie mit Mänteln und Kleidern aus. Sie trat zwei Jahre lang ausverkauft am Broadway auf und ruinierte fast ihre Stimmbänder. Ehe sie als Sängerin und eine der ersten Songschreiberinnen überhaupt eine dritte Karriere machte. Oder war es schon ihre vierte? Hilde Knef war Stehauf-Frau. Diva mit Haltung. Künstliche Wimpern und Bodenständigkeit. Das Herz am rechten Fleck, nein, besser: am linken; denn sie positionierte sich couragiert gegen alles Spießige, gegen alte und neue Nazis. Sie trug ihr Herz auf der Zunge. Ehrlich. Verletzlich. Schonungslos und schwach und stark. Gefallener Engel, als sie aus den USA nach Deutschland zurückkam, Phoenix aus der Asche, als sie mit ihrem autofiktionalen Roman „Der geschenkte Gaul“ einen Weltbestseller landete und auf ihren Tourneen die Konzertsäle füllte. Es ist Zeit, Hildegard Knef (wieder) zu entdecken. Sie und ihre unverwechselbaren Songs — von Hits wie „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ oder „Von nun an ging’s bergab“ bis zu selten gespielten Raritäten. Ein Kritiker meinte, Hildegard Knef habe als Sängerin und Texterin „die deutsche Popmusik im Alleingang erwachsen gemacht“. Sie sang nicht über heile Welt, sondern über One-Night-Stands und Liebe, die scheitert, Chansons, die Kurzgeschichten sind, raffiniert und verrucht. Eine Inspiration für Generationen von Menschen. Eine Künstlerin, die etwas zu sagen hat. Und wie! Katrin Lindner hat offenbar ein Faible für die großen Film- und Musik-Ikonen. Als junge Regisseurin gestaltete sie mit der Schauspielerin Maja Beckmann am Schauspielhaus Bochum einen hinreißenden Abend über Romy Schneider: „Das Sisi-Syndrom“. Später inszenierte sie im Bochumer Kunstbunker ein Solo über Marlene Dietrich. Seitdem folgten Arbeiten u. a. an der Volksbühne Berlin, dem Schauspielhaus Bochum, dem Nationaltheater Mannheim und dem Staatstheater Nürnberg. Zuletzt inszenierte sie an den Münchner Kammerspielen „Fremd“ von Michel Friedman als ergreifendes Schauspielerinnen- Solo. — Lars Ehrhardt wiederum ist in Hannover kein Unbekannter: Der Gitarrist, Songwriter und Musikproduzent ist hier geboren, betreibt in der Stadt ein eigenes Tonstudio und war auch schon im Schauspiel Hannover zu erleben: im Familienstück „Hex. Dornröschen im Feenwald“. Als Musikalischer Leiter war er an zahlreichen Theaterproduktionen beteiligt, u. a. am Thalia Theater und am Schauspielhaus Bochum. Inszenierung: Katrin Lindner Musikalische Leitung: Lars Ehrhardt Bühne: Evi Bauer Kostüm: Lene Schwind Video: Jana Schatz Licht: Tobias Reichstein Dramaturgie: Vasco Boenisch Dauer: ca. 1 Std. 40 Min., keine Pause

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