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Aufführungen | Oper

Ich, ich, ich!
Je suis narcissiste

Staatsoper Hannover

Premiere: 22.10.2026 Libretto von Helena Tornero Deutsch von Arno Lücker „Wir sind nicht die Nummer eins – aber wir sind die Nummer eins darin zu glauben, wir seien die Nummer eins.“ Jean M. Twenge Eine Katze, die unmittelbar nach ihrem einzigen Auftritt stirbt, eine Psychiatriepraxis, eine Frau, die Hilfe braucht, ein selbstverliebter Arzt: Zu Beginn der Komischen Oper Ich, ich, ich! von Komponistin Raquel García-Tomás begegnen wir der verzweifelten Klothilde. Nicht nur der Tod der Katze macht ihr zu schaffen, auch … Aber da unterbricht der Psychiater Dr. Johannes Sturm seine Patientin schon wieder! Er entpuppt sich als der typische Mansplainer, der kein Wort, keinen Gedanken seiner neuen Patientin stehen lassen kann, alles besser weiß und für jede Frage Klothildes eine Antwort wie aus dem Lehrbuch parat hat. Doch langsam entfaltet sich das, was tatsächlich bisher geschah: ein schicksalhafter Tag, an dem nicht nur Klothildes Katze tragisch zu Tode kam. Wir erfahren alsbald, dass Klothilde als Kulturmanagerin arbeitet. Und ab geht es hinein in die Haifischbecken der Eitelkeiten von super-authentischen Künstlern, aufmerksamkeitsheischenden Erfolgsbloggerinnen und verschwurbelten Esoterik-Gurus. Zugleich ein Trip der szenischen Rückblenden: von der Straße ins Hotel, zur Vernissage, zur Beerdigung, zur Meditationsgruppe. Begleitet von einer stellenweise comicartigen, dann wieder zitatverliebten Musik werden die Krankheiten unserer Zeit – pathologische Selbstverliebtheit, Online-Veräußerungsdrang, Materialismus, Herrschaft-und-Knechtschaft-Missverhältnisse und Pseudo-Authentizität – feinsäuberlich, bitter und lustig seziert. Musikalische Leitung: Masaru Kumakura Inszenierung: Ruben Michael Bühne und Kostüme: Lydia Peters Dramaturgie: Arno Lücker In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln
Aufführungen | Oper

La Bohème

Staatsoper Hannover

Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica „Die Bohème ist das Praktikum des Künstlerlebens; sie ist die Vorstufe zur Akademie der Künste, zum Krankenhaus oder zur Leichenhalle.“ Henri Murger In der Pariser WG von Rodolfo, Marcello, Schaunard und Colline wird selten geheizt und Essen gibt es nur gelegentlich. Doch die Stimmung im Dachgeschoss ist hervorragend, denn die vier jungen Künstler und Geisteswissenschaftler lieben ihr Leben. Mit Fantasie, Frechheit und Sarkasmus trotzen sie der Knappheit. Und verdienen sie einmal gut, „finden sie niemals genug Fenster, um ihr Geld hinauszuwerfen“, schreibt Henri Murger in seinem einflussreichen Episodenroman über die Bohemiens, der zur Grundlage der Oper wurde. Unter der WG wohnt die Näherin Mimì. Für sie ist die Armut kein Spiel, denn sie leidet an Tuberkulose, die durch die nur scheinbar romantischen Lebensumstände verschlimmert wird. An Heiligabend klopft sie an die Tür, als Rodolfo allein ist. Eine leidenschaftliche Affäre beginnt, geprägt von der Sehnsucht nach Wärme in einer kalten Welt. Giacomo Puccini vertont die Episoden aus der Pariser Subkultur mit höchster Präzision: Jede Geste spiegelt sich in der Musik, kunstvoll verblendet er die unterschiedlichen Atmosphären einer wuseligen Großstadtszene. Hart treffen die Widersprüche zwischen dem Wunsch nach Unabhängigkeit und den tatsächlichen materiellen und emotionalen Abhängigkeiten aufeinander. Und gleichzeitig schimmert der Traum eines einfacheren, fröhlicheren Lebens durch die eisige Winterlandschaft – auch in der seit 1999 beliebten Inszenierung nach Chris Alexander. Musikalische Leitung: Tobias Wögerer Nach einer Inszenierung von Chris Alexander Szenische Einstudierung der Wiederaufnahme: Valérie Junker Bühne: Kathrin Kegler Kostüme: Marie-Therese Cramer Licht: Claus Ackenhausen Chor: Lorenzo Da Rio Kinderchor: Tatiana Bergh Dramaturgie: Regine Palmai In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln Dauer: 2 Stunden 15 Minuten, eine Pause Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren
Aufführungen | Oper

Il Viaggio, Dante / Die Reise Dantes

Staatsoper Hannover

Premiere: 10.10.2026 Libretto von Frédéric Boyer nach Dante Alighieri Deutsche Erstaufführung „Wir meinten, in die Hölle hinabzusteigen, doch in Wahrheit stellen wir uns der gegenwärtigen Welt.“ Frédéric Boyer Ein Klassiker der Weltliteratur als zeitgenössisches Musiktheater: Pascal Dusapin hat sich von Dantes Werken Die göttliche Komödie und Das neue Leben zu einem „Operatorium“ inspirieren lassen und mit Il Viaggio, Dante ein Werk komponiert, das alles vereint, was Oper auch heute so faszinierend macht. In sieben Bildern begleiten wir einen Menschen auf einem inneren „Roadmovie“ durch einen unbekannten Raum-Zeit-Kosmos, in dem Figuren seines Lebens in rätselhaften Erinnerungsfragmenten erscheinen. Eine weibliche Gestalt – Dantes Muse Beatrice – steht für Sehnsüchte; Höllen- und Fegefeuer-Erfahrungen spiegeln Albträume und Ängste, während im Paradies die tröstliche Entdeckung von Schönheit und Glück wartet. In einer transparenten Klanglandschaft, bereichert durch Instrumente wie Glasharmonika, Orgel und eine breite perkussive Palette, bringt Dusapin die von einer geheimnisvollen Schönheit geprägte Sprache Dantes in den Gesangsstimmen gleichsam zum Glühen. Die 2022 beim Festival d’Aix-en-Provence uraufgeführte Produktion kommt in der Inszenierung Claus Guths im Rahmen der Dusapin-Trilogie der Staatsoper Hannover nun zur Deutschen Erstaufführung. Nach dem Auftakt mit der Tragödie Penthesilea ist Il Viaggio, Dante ein Werk, das auch die Hoffnung auf Erlösung kennt: „Ich wollte diese metaphysische und spirituelle Dimension durch die Musik umarmen“, erläuterte Dusapin – und schuf eine zutiefst persönliche und zugleich universelle Reflexion über individuelle Verantwortung und die Suche nach Sinn in einer Welt im ständigen Wandel. Auftragswerk des Festival d’Aix-en-Provence und L’Opéra national de Paris in Koproduktion mit L’Opéra national de Paris, Staatsoper Hannover und Les Théâtres de la Ville de Luxembourg Musikalische Leitung: Roland Kluttig Inszenierung und Choreografie: Claus Guth Choreografische Mitarbeit und Einstudierung: Evie Poaros Szenische Einstudierung: Karine Girard / Felix Schrödinger Bühne: Etienne Pluss Kostüme: Gesine Völlm Licht: Fabrice Kebour Video: rocafilm Elektroakustische Einrichtung: Matthias Spitzbarth Chor: Lorenzo Da Rio Dramaturgie: Yvonne Gebauer Dramaturgische Betreuung der Übernahme: Anne do Paço Xchange: Matthias Brandt In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln Einführung: 45 Minuten vor Beginn
Aufführungen | Ballett

Verwandlungen

Staatsoper Hannover

I'm afraid to forget your smile Choreografie, Bühne und Kostüme: Imre van Opstal / Marne van Opstal Bühne und Licht: Tom Visser Choreografische Einstudierung: Chloé Albaret / Benjamin Everett / Kenedy Kallas Mit: Antoine Charbonneau / Kade Cummings, Camryn Pearson / Jay Ariës, Jeremy Villas / Luca Branca, Martin Balabán / Makani Yerg, Alisa Uzunova / Oriana Mestre Oliveira, Emily Seymour / Sofia Fagioli Schmetterling Choreografie, Bühne und Kostüme: Sol León / Paul Lightfoot Licht: Tom Bevoort Projizierte Fotografien: Rahi Rezvani Choreografische Einstudierung: Chloé Albaret / Jorge Nozal / Lauretta Summerscales / Roger Van der Poel Mit: Natalie Wong / Diana van Godtsenhoven, Carl van Godtsenhoven / John Hackett, Kade Cummings / Jay Ariës, Martin Balabán / Camryn Pearson, Edward Nunes / Lorenzo Alberti, Luca Branca, Daniel Róces / Sofia Fagioli, Alisa Uzunova, Stella Tozzi / Tania Angelovski, Emily Seymour / Oriana Mestre Oliveira, Makani Yerg / Antoine Charbonneau „Es sind deine Flügel, die dich schön machen.“ The Magnetic Fields Die Flüchtigkeit des Lebens und die Schönheit des Augenblicks — welche Kunstform vermag diese besser zu erforschen als der Tanz? Für die Premiere Verwandlungen hat Ballettdirektor Goyo Montero zwei Generationen von Künstlerduos eingeladen, die mit ihrer einzigartigen Bewegungssprache fragen: Was sind unsere Vorstellungen von Leben und Tod? Wohin gehen wir? Welche Veränderungen streben wir an? Sol León und Paul Lightfoot prägten über Jahrzehnte als Tänzerin und Tänzer, Choreografen und künstlerische Leiter das Nederlands Dans Theater Den Haag. Seit 1989 bilden sie als gleichberechtigt arbeitendes Duo ein kreatives Epizentrum. Tänzerkarriere machten auch die Geschwister Imre und Marne van Opstal beim NDT. Heute zählen sie mit ihren skulpturalen Choreografien zu den interessantesten Stimmen im zeitgenössischen Tanz. Mit I’m afraid to forget your smile kreierten sie 2022 zu Chorwerken von archaischer Schönheit und meditativer Kraft einen berührenden Kampf gegen die Vergänglichkeit. Schmetterling von Sol León und Paul Lightfoot erzählt in starken Bildern, aber auch mit feiner Poesie und subtilem Humor eine fragile Geschichte des Abschieds zwischen einer Mutter und ihrem Sohn. „Im Wort Schmetterling ist alles enthalten, was dieses Ballett ausmacht: die Flüchtigkeit einer Aufführung, das absurde Kabarett des Lebens und das schnelle Vergehen der Zeit“, so Paul Lightfoot über das 2010 zu Musik von Max Richter und Love Songs der Indie-Rock-Band The Magnetic Fields kreierte Tanzstück. Dramaturgie: Daniel Menne Choreografische Assistenz: Macarena González / Carlos Lázaro Xchange: Bettina Stieler Staatsballett Hannover Dauer: ca. 1 Stunde 45 Minuten, eine Pause Einführung: 45 Minuten vor Beginn
Aufführungen | Oper

Pique Dame

Staatsoper Hannover

Premiere: 12.9.2026 Libretto von Modest Tschaikowski nach Alexander Puschkin „Und als der Schlaf ihn überwältigte, träumte er von Karten, einem grün bezogenen Tisch, Bündeln von Geldscheinen und Bergen von Goldmünzen.“ Alexander Puschkin Es hätte eine dieser Liebesgeschichten mit Hindernissen werden können: Hermann ist heimlich in Lisa verliebt, sie hat auch Gefühle für ihn – wenn nur der Fürst nicht wäre, den Lisa schon bald heiraten soll. Aber Hermann hat noch ein weiteres Problem, denn er, der über keinerlei finanzielle Mittel verfügt, empfindet sich als absoluter Außenseiter in einer Gesellschaft, in der allein das Geld entscheidet, ob man dazugehört. Da stößt Hermann auf ein Geheimnis. Lisas Großmutter, genannt „Pique Dame“, weiß angeblich, welche Kartenkombination im Glücksspiel unfehlbar zum Gewinn führt. Doch um das Geheimnis zu erfahren, muss jemand sterben. Wie weit ist Hermann bereit zu gehen? Über dieser Frage verliert er Lisa und seine gesamte Umwelt mehr und mehr aus dem Blick … Pjotr Tschaikowski hat seine vorletzte Oper Pique Dame bei einem Florenz-Aufenthalt im Jahr 1890 innerhalb von nur 44 Tagen wie im Fieber niedergeschrieben. Das Ergebnis: eine Musik, die geradezu birst vor Spannung und Expressivität, die rauschhaft und überbordend abwechslungsreich ist, die mitfühlt mit den Hauptfiguren der Geschichte, aber auch den Blick in die Abgründe einer von Obsessionen und Wahnvorstellungen gequälten Seele nicht scheut. Regisseur Roland Schwab folgt Hermann bei seiner verzweifelten Suche nach dem Glück und wirft zugleich ein grelles Licht auf eine Gesellschaft, für die Hermanns drohender Absturz nichts weiter als ein amüsant-schauriges Schauspiel darstellt. Musikalische Leitung: Francesco Angelico / Tobias Wögerer Inszenierung: Roland Schwab Bühne: Piero Vinciguerra Kostüme: Gabriele Rupprecht Licht: Andreas Schmidt Chor: Lorenzo Da Rio Kinderchor: Tatiana Bergh Dramaturgie: Daniel Menne Xchange: Matthias Brandt In russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Aufführungen | Oper

Der Troubadour

Staatsoper Hannover

Libretto von Salvadore Cammarano und Leone Emanuele Bardare nach Antonio García Gutiérrez „Er war dein Bruder ... Du bist gerächt, Mutter!“ Azucena Als sich Graf Luna und der Troubadour Manrico nicht nur in einem blutigen Bürgerkrieg als Feinde gegenüberstehen, sondern auch noch in die gleiche Frau verlieben, nimmt eine fatale Tragödie ihren Lauf: Leonora vergiftet sich, Manrico wird von Luna hingerichtet, der daraufhin erfährt, dass er seinen eigenen, verschollen geglaubten Bruder getötet hat. Manrico war nämlich unerkannt bei Azucena aufgewachsen, die einst mit ansehen musste, wie der alte Graf Luna ihre Mutter auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Zutiefst traumatisiert schwor Azucena Rache, entführte den jüngeren Grafensohn, tötete an seiner Stelle aber versehentlich ihr eigenes Kind. Mit seinem Drama El Trovador schrieb Antonio García Gutiérrez 1836 das erfolgreichste und populärste Bühnenwerk der spanischen Romantik. Giuseppe Verdi ließ sich von der düsteren Romanze um Hass und Liebe, Eifersucht und Rache so sehr begeistern, dass er sie ohne Auftrag und damit der Garantie für eine Uraufführung 1849 / 50 zur Grundlage seiner Oper Il Trovatore machte. In ihr fand er das uralte Motiv des Bruderzwistes mit den ihn immer wieder faszinierenden Fragen nach Schicksal, Zufall und innerer Notwendigkeit verschränkt. Aus der bizarren Geschichte verstand er seine Figuren auf äußerst avancierte Weise geradezu herauszumeißeln. An ihren Widersprüchen, ihrem Gefangensein und ihren Sehnsüchten entzündete er seine musikalische Fantasie. In der Neuinszenierung von Wolfgang Nägele kommt mit Il Trovatore ein existenzielles Drama von unvergleichlicher Wucht auf die Bühne der Staatsoper Hannover — eine Geschichte über die Macht von Traumata und emotionalen Wahnsinn. Musikalische Leitung: Masaru Kumakura / Lorenzo Da Rio Inszenierung: Wolfgang Nägele Bühne: Lisa Däßler Kostüme: Irina Spreckelmeyer Licht: Holger Klede Chor: Lorenzo Da Rio Dramaturgie: Anne do Paço Xchange: Matthias Brandt Italienisch mit deutschen und englischen Übertiteln Dauer: ca. 3 Stunden, eine Pause Einführung: 45 Minuten vor Beginn
Aufführungen | Theater

Eröffnungsfest

Staatsoper Hannover

Mit Frühstück auf dem Opernplatz, Programm auf allen Bühnen und Hoffest Im Rahmen von „Sommer im Kulturdreieck“ Es geht los – die neue Spielzeit beginnt! Am 30. August starten Schauspiel und Staatsoper gemeinsam im Kulturdreieck mit einem großen Eröffnungsfest in die neue Spielzeit und bieten ein vielfältiges Programm für die ganze Familie. Der Tag beginnt mit einem Frühstück ab 11 Uhr auf dem Opernplatz. Entdecken Sie anschließend mit Ausschnitten aus den Programmen die neue Spielzeit im Schauspielhaus, Opernhaus, Ballhof, in Cumberland und auf dem Kulturhof. Werfen Sie in Führungen und Workshops einen Blick hinter die Kulissen. Die Opern- und Schauspielensembles, das Staatsballett Hannover, die Chöre der Staatsoper, das Niedersächsische Staatsorchester und alle Gewerke zeigen, was sie können und was die Magie des Theaters ausmacht. Ab 20 Uhr klingt der Tag aus – entweder im Opernhaus beim Eröffnungskonzert, bei der Live-Übertragung auf der Kinoleinwand auf dem Opernplatz oder bei der Opening Party des Schauspiels in der Cumberlandschen: „That’s amore“! Mit: Ensemblemitglieder der Staatsoper Hannover, Chor der Staatsoper Hannover, Kinderchor der Staatsoper Hannover, Staatsballett Hannover, Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Aufführungen | Ballett

Hamburger Kammerballett

Internationale Fredener Musiktage e.V.

Hamburger Kammerballett Edvin Revazov, Choreograph Heikko Deutschmann, Sprecher camerata freden, Festivalensemble Erwin Schulhoff – Suite für Kammerorchester, bearbeitet für Kammerensemble von Andreas N. Tarkmann (14. Auftragswerk der Fredener Musiktage 2004) Bohuslav Martinu – „La Revue de Cuisine“ (Jazzballett) Igor Strawinsky – „Die Geschichte vom Soldaten“ Kommt der Teufel ins Spiel, nehmen Märchen selten ein gutes Ende. So auch bei Igor Strawinsky, der am Ende des 1. Weltkriegs im Schweizer Exil lebte und mit dem Dichter C. F. Ramuz das Stück entwarf. Ursprünglich entstammt der Stoff um einen fahnenflüchtigen Soldaten, eine Geige, eine erkrankte Königstochter und eben dem Teufel einem russischen Märchen. Da auch in der Schweiz damals (Geld-)Not herrschte, ließen sich Komponist und Autor von Gauklerbühnen und Moritatensängern zu einem pragmatischen Konzept inspirieren, das mit nur wenigen Instrumenten und Darstellern auskommt. Edvin Revazov, gefeierter Erster Solist im Hamburg Ballett gründete 2022 mit Isabelle Rohlfs das „Hamburger Kammerballett“. Ein Herzensprojekt: Es bietet geflüchteten jungen Tänzer:innen aus der Ukraine eine künstlerische Heimat in der Hansestadt und steht somit für Gemeinschaft und Solidarität. Mit dem Festivalensemble camerata freden und Schauspieler Heikko Deutschmann als Erzähler versprechen die Tänzer*innen im Theatersaal des Gymnasiums Alfeld einen bewegenden Ballettabend voller Leidenschaft und Emotionen. Im Rahmen der 35. Internationalen Fredener Musiktage 2026 wird an diesem Abend auch das Jazzballett „La Revue de Cuisine“ von Bohuslav Martinu sowie von Erwin Schulhoff die Suite für Kammerorchester, bearbeitet für Kammerensemble von Andreas N. Tarkmann, zu erleben sein. In Zusammenarbeit mit der Kulturvereinigung Alfeld e.V.! Preise: 28€ / 26€ / 15€ od. Kombikarte
Aufführungen | Schauspiel

Burn, Baby, Burn!

Schauspiel Hannover

Ein Dorf nach einem Feuer: Fünf Menschen suchen nach Überresten, Erinnerungen, nach Halt, Wahrheit und einer Sprache für das, was gerade mit ihnen geschieht — und fragen sich, was von uns bleibt, wenn plötzlich alles anders ist. Doch je tiefer sie graben, desto größer werden die Fragen: Was ist hier eigentlich passiert? Wer erzählt uns die Welt? Und was trägt noch, wenn Gewissheiten ins Rutschen geraten? Yael Ronens neues Stück nimmt einen alles verändernden Moment zum Ausgangspunkt und macht daraus einen klugen und abgründig komischen Theaterabend über Verlust, Verschwörung, Wut, Liebe und die Möglichkeit, neu anzufangen. „Burn, Baby, Burn!“ schlägt einen lustvollen Bogen von einem fiktiven Comic über Feuergöttinnen bis in die Antike, ins alte Rom und zu Kaiser Nero, dem vielleicht berühmtesten Brandstifter der Geschichte. Die antiken Bilder werden zum funkelnden Spiegel der Gegenwart: für Krisen, Machtinszenierungen und die uralte Faszination des Menschen für Feuer, Untergang und Erneuerung. Mit scharfem Witz, großer Spielfreude und live performten Songs — inspiriert von PJ Harvey bis The Tiger Lillies — entsteht ein vielstimmiger Theaterabend zwischen Mythos und Gegenwart, zwischen bitterer Komik und zarter Melancholie. Ein Abend über das, was brennt — und darüber, was daraus entstehen kann. Über Yael Ronen Yael Ronen, in Jerusalem geboren, ist eine der erfolgreichsten und prägendsten Regisseurinnen und Theaterautorinnen ihrer Generation. Wie kaum jemand sonst versteht sie es, mit den Mitteln der Komödie die Krisen unserer Gegenwart zu beschreiben und mit humorvoller Direktheit Komplexitäten begreifbar zu machen. Der internationale Durchbruch gelang Yael Ronen 2009 mit der Produktion „Dritte Generation“, in der deutsche, israelische und palästinensische Schauspieler*innen den historischen Verwebungen ihrer Biografien auf den Grund gingen. Sie wurde mit ihren Arbeiten bisher vier Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Des Weiteren ist sie zweifache Nestroy-Preisträgerin und wurde mit dem Europe Prize for Theatrical Realities ausgezeichnet, sowie mit dem BZ Kulturpreis und kürzlich mit dem Peter-Weiss-Preis. In der Spielzeit 25/26 inszeniert Yael Ronen zum ersten Mal am Schauspiel Hannover. Inszenierung: Yael Ronen Bühne: Evi Bauer Kostüm: Amit Epstein Musik: Ofer Shabi, Yaniv Fridel Video: Stefano Di Buduo Licht: Oliver Hisecke Dramaturgie: Yunus Ersoy, Irina Szodruch Dauer: 1 Std., 30 Min., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Mit anderen Augen

Schauspiel Hannover

„Hello darkness, my old friend“ Wir leben in einer Gesellschaft der Sehenden. Von „Auf Wiedersehen“ über den „blinden Alarm“ bis zur „Liebe auf den ersten Blick“ ist unsere Sprache voller Metaphern des Sehens. Erkenntnis und Vernunft werden mit Licht und Sehen verknüpft, Unmündigkeit und Unvernunft dagegen mit Bildern von Blindheit und Dunkelheit. Die Welt der Blindheit ist den meisten von uns unbekannt, unser Leben auf das Sehen aufgebaut. Doch was geschieht, wenn diese Voraussetzung nicht erfüllt wird: In welchem Raum befinden sich blinde oder sehbehinderte Menschen? Was bedeutet Zeit für sie? Was erzählen Töne, Geräusche? Kann man mit den Ohren sehen? Diesen und anderen Fragen geht „Mit anderen Augen“ nach, eine berührende Theatercollage aus Songs, Texten, Bildern, Klängen und Sinneseindrücken, die auf poetische Weise eintaucht in die Welt der Blindheit. Während dieses musikalischen Abends lenken Texte von blinden und sehbehinderten Menschen und die Lyrics der live gesungenen Songs unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere Wahrnehmung weg vom Visuellen hin zu anderen Sinnen wie dem des Hörens. Nicht als Ersatz, vielleicht als Gewinn. Die acht Spieler*innen und Musiker befinden sich in einem Raum, der sich zwischen Dunkelheit, Unschärfe, hellem Licht und dem Verzicht auf starke Farben bewegt. Die Inszenierung möchte die Aufführung auch für nicht sehendes Publikum erfahrbar machen, auch mit Hilfe von Audiodeskription*. Mehr als sehenswert! Die Regisseurin Selen Kara inszeniert seit mehr als zehn Jahren an renommierten Theatern wie dem Theater Bremen, dem Nationaltheater Mannheim, dem Schauspielhaus Bochum oder dem Düsseldorfer Schauspielhaus. Einfühlsam und mit einem klaren ethischen Kompass nähert sie sich ihren Themen und Stoffen, die von zeitgenössischen Romanen bis zu klassischer und moderner Dramatik reichen. Mit dem Musiker Torsten Kindermann verbindet sie eine langjährige Partnerschaft, in der unter anderem die Theaterabende „Istanbul“ und „Mit anderen Augen“ entstanden, die das Publikum vielerorts berühren und begeistern. Mehrfach war Selen Kara zum Festival „Radikal jung“ eingeladen, und seit 2023 ist sie Co-Intendantin des Schauspiel Essen. Inszenierung: Selen Kara Musikalische Leitung/Szenische Einrichtung: Torsten Kindermann Bühne: Lydia Merkel Kostüm: Emir Medić Licht: Oliver Hisecke Dramaturgie: Vasco Boenisch, Dorothea Neweling Die Uraufführung fand 2022 am Schauspielhaus Bochum statt. *) Hinweis zur Audiodeskription: In etlichen Passagen der Inszenierung werden die Handlungen auf der Bühne, Personen und die Räumlichkeiten von den Schauspieler*innen verbal beschrieben, als integraler Bestandteil der Inszenierung. Eine Voranmeldung oder die Ausleihe von Equipment sind nicht nötig. Dauer: ca. 1 Std. 30 Min., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Wanja

Schauspiel Hannover

„Wir werden uns erinnern, wie unglücklich wir jetzt sind, und wir werden lächeln, und wir werden lachen. Das glaube ich wirklich.“ Ivan hätte Künstler werden können. Aber er verwaltet seit Jahren ein Landgut. Eines Tages nistet sich sein Schwager Alexander dort ein: ein früher mal erfolgreicher Filmregisseur, den er finanziell unterstützt. Ivans Nichte Sonia ist derweil schwer verliebt in den Landarzt, der aber nur Augen für Helena hat — Alexanders zweite Frau. In ihrem Selbstmitleid glauben sie alle, allein zu sein. Dabei sind sie sich ähnlicher, als sie denken. Dann fällt ein Schuss. Unerfüllte Hoffnungen und Träume, nicht erwiderte Liebe — „Wanja“ zeigt, wie unglücklich das Leben verlaufen kann... und wie herzergreifend komisch. Liebevoll offenbart das Stück, wie lächerlich wir manchmal sind, und ist dabei doch zum Mit-Leiden, Mit-Hoffen, Mit-Weinen. Simon Stephens hat „Onkel Wanja“ sanft modernisiert und daraus einen Monolog entwickelt, in dem ein einziger Schauspieler alle acht Rollen spielt. So zeigt sich noch eindrücklicher, wie einsam alle Figuren des Tschechow-Universums sind und wie viel sie doch gleichzeitig miteinander verbindet. In unserer Inszenierung wird der Schauspieler Jirka Zett zu erleben sein und unter Beweis stellen, wie im Theater dank der Fantasie des Publikums aus dem Nichts eine ganze Welt entstehen kann. Nach ersten Inszenierungen in der deutschen Theaterlandschaft verschlug es Katharina Birch nach London, wo sie acht Jahre lebte und für das Royal Court Theatre, die Garden Opera Company und weitere Kompanien und Theater arbeitete — unter anderem auch mit Simon Stephens. Aus England hat sie eine besondere Lust aufs Geschichten erzählen mitgebracht und die Überzeugung, dass es bereichernd ist, Texten sehr zu vertrauen. Mit diesem Gedanken im Gepäck ist sie seit ein paar Jahren zurück in Deutschland und inszeniert unter anderem am Schauspielhaus Bochum, Schauspiel Hannover, am Deutschen Theater Göttingen, TJG Dresden und am Theater Münster. Inszenierung: Katharina Birch Bühne und Kostüm: Georg & Paul Licht Tobias Reichstein Dramaturgie: Fabian Schmidtlein Dauer: ca. 1 Std. 40 Min., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Deutsch, du Schuft!

Schauspiel Hannover

„In welcher Sprache träumst du?“ Warum gibt es im Deutschen 100 Wörter für „Gehweg“, aber keines für das Gefühl, wenn du satt und glücklich in einen Mittagsschlaf fällst? Warum klingen manche Worte wie Befehle und andere wie ein Unfall im Mund? Und wer bestimmt eigentlich, was „richtiges“ Deutsch ist? In „Deutsch, du Schuft!“ begeben wir uns auf eine wilde Reise durch die Welt der Worte — dorthin, wo Sprache fehlt, sich verheddert oder neue Bedeutungen annimmt. Denn Sprache bestimmt, was wir benennen können, und prägt, wie wir die Welt wahrnehmen. Was passiert, wenn wir an diese Grenzen gehen? Wenn wir Dinge neu benennen und Bedeutungen verschieben? Die Realität verändert sich mit den Worten — und genau deshalb ist entscheidend, welche wir wählen. Gemeinsam mit dem Draufsichtsrat* und Schulklassen beschäftigen wir uns mit den Tücken der deutschen Sprache, der Macht von Wörtern und der Frage, zu wem wir werden, wenn wir in einer anderen Sprache sprechen oder in ihr träumen. Eine spielerische Performance über Worte und Sprache, aber auch über Identität, Macht und das große Vergnügen, Sprache einfach weiter zu erfinden. Für Wera Mahne bedeutet künstlerisches Arbeiten zuzuhören. Grundlegend für ihre Arbeit ist somit auch die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen als Feedback-Geber*innen und Gestalter*innen einer Kunstform, die für sie sein soll. Wera Mahne arbeitete u.a. am Düsseldorfer Schauspielhaus, dem Schauspiel Hannover, dem FFT Düsseldorf, dem Theater an der Parkaue Berlin und dem Berliner Gorki Theater. 2020 entwickelte sie — unter anderem mit Kübra Sekin — die Produktion „Performing Family“ am Jungen Nationaltheater Mannheim. Ihr Stück „Weg vom Fenster“ entstand 2022 in Zusammenarbeit mit dem Ensemble und der Drama Control des Theaterreviers (Junges Schauspielhaus Bochum). Seit Jahren arbeitet sie zudem mit der Performancegruppe „Leute wie die“ aus Berlin und NRW, in deren Inszenierungen Laut- und Gebärdensprache gleichberechtigt eingesetzt werden. Wera liebt es, Dinge zum ersten Mal zu machen, und wir lieben es, sie dabei begleiten zu dürfen. * Der Draufsichtsrat ist der Kinder- und Jugendaufsichtsrat des Jungen Schauspiel Hannover, der ab der Spielzeit 25/26 in Aktion tritt. Inszenierung: Wera Mahne Bühne: Declan Hurley Kostüm: Isabelle Edi Musik: Anne Rietmeijer Licht: Markus Schwieger, Finn Ruben Schöls Dramaturgie: Kat Heß Dauer: 1 Std., 25 Min., keine Pause für Menschen ab 10 Jahren
Aufführungen | Schauspiel

Höhere Gewalt

Schauspiel Hannover

„Weil du, wie die meisten Frauen, glaubst, was du glaubst. Und du arbeitest an deinen unglücklichen Beziehungen. Hin und wieder wirst du belohnt mit ein paar Wochen des Friedens und des Glücks, in denen sich der Groll für eine Weile legt. Ich lehne diesen Handel ab. Vielleicht solltest du das auch tun.“ Alles beginnt mit ein paar Familienfotos, am Anfang des Skiurlaubs: Eltern und Kinder lachen, eingemummelt in ihre Schneeanzüge. Der Urlaubsentspannung wird ein jähes Ende bereitet, als eine Lawine heranrollt, während die Eltern und Kinder noch auf der Hotel-Terrasse frühstücken. Die Katastrophe bleibt aus, doch während die Mutter sich schützend vor die Kinder stellt, sucht der Vater instinktiv das Weite. Die Feigheit seiner Handlung lastet auf der Beziehung der Eltern und droht, nicht nur den Urlaub kaputtzumachen, sondern bedeutet eine harte Probe für die ganze Ehe. Mit bösem Humor unterzieht der Regisseur Ruben Östlund, bekannt durch Filme wie „Triangle of Sadness“ und „The Square“, hier das klassische Bild einer modernen Familie einer Prüfung. Eine intelligente Auseinandersetzung mit konventionellen Rollenbildern, über die man auch nach dem Theaterbesuch noch ausgiebig diskutieren kann. Die junge Regisseurin Fritzi Wartenberg wird sich der Theateradaption des Filmes durch den renommierten walisischen Autor Tim Price annehmen. 1997 in Köln geboren, eroberte Fritzi Wartenberg die Bühnen Deutschlands und Österreichs zuletzt im Sturm. Mit ihren ästhetisch herausfordernden und spielerisch präzise gezeichneten Inszenierungen hinterfragt sie geschlechterspezifische Vorprägungen und deren gemeinsame Überwindung. Deutschsprachige Erstaufführung Deutsch von Linda Kokkores Inszenierung: Fritzi Wartenberg Bühne: Polly Stephan Kostüm: Jelena Miletić Musik: Fabian Kalker Licht: Tobias Reichstein Dramaturgie: Fabian Schmidtlein Dauer: ca. 2 Std. 30 Min., mit Pause
Aufführungen | Schauspiel

Sliding Away

Schauspiel Hannover

Uraufführung von Toshiki Okada Deutsch von Andreas Regelsberger In apokalyptischen Zeiten florieren Monster. Sie werden zum Sinnbild der Krise und tanzen uns den Sound des Untergangs. Zombies zum Beispiel — zum Leben erweckte Untote, die zu Hauf Städte und Dörfer überfallen oder verschreckte Unschuldige in Autos einkesseln. Von Viren oder Bakterien mutierte, menschenähnliche, aber doch seelenlose Wesen, die mit abschreckendem Horror das Menschliche als bedrohte Norm konstruieren. Serien wie „The Last of Us“ oder „The Walking Dead“ geben eindrücklich Zeugnis von unserer anhaltenden Faszination für das untote Leben. Der japanische Autor und Regisseur Toshiki Okada dreht den Spieß in seinem neuen Stück nun um: Was, wenn nicht die Zombies das Problem sind, sondern wir — die Menschen? Denn wer entscheidet, was normal und existenzberechtigt ist? Und haben Zombies wirklich keine Seele? Fünf Zombies rütteln am Korsett ihrer Zuschreibungen und arbeiten an einem Gegen-Narrativ mit dem Ziel, das menschengemachte Außenbild zu korrigieren. Und wie ginge das besser als mit einem eigenen Zombiefilm? Einem Film „mit Zombies, von Zombies, für Zombies“! Am Set dieses Drehs, der nicht so recht in Gang kommen will, entspinnt sich ein doppelbödiger, absurder und kluger Dialog über Repräsentation und (Un-)Menschlichkeit, der das Potential zur Zombie-Komödie hat. Toshiki Okada wird „Sliding Away“ in Hannover und Tokio zur Aufführung bringen. Regie 1973 in Yokohama geboren, erschafft er mit seiner Kompanie Chelfitsch seit 1997 Inszenierungen, die sich durch eine eigenwillige und zarte Formsprache auszeichnen und die Position des Menschen in einer Welt der radikalen Umbrüche untersuchen. Toshiki erschafft in seinen Arbeiten oft Szenarien und Bildsprachen einer durchkapitalisierten Welt, mit denen er die menschliche Existenz und ihre Widersprüche im Spätkapitalismus erforscht. Seine Arbeiten stoßen weit über Japan hinaus auf große Resonanz und sind auf internationalen Theaterfestivals zu erleben. Seine Inszenierungen „The Vacuum Cleaner“ für die Münchner Kammerspiele und „Doughnuts“ für das Thalia Theater Hamburg wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Inszenierung: Toshiki Okada Bühne: Dominic Huber Kostüm: Tutia Schaad Musik: Kazuhisa Uchihashi Licht: Erik Sonnenfeld Dramaturgie: Tobias Kluge, Makiko Yamaguchi Dauer: 1 Std. 10 Min., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Schwindel

Schauspiel Hannover

„Irgendwas war jetzt anders“ Endlich mal ein Theaterabend, an dem niemand irgendwas verstehen muss! Acht Schauspieler*innen und eine Musikerin drehen, rennen, stampfen, stolpern, springen, sprechen, galoppieren und pfeifen über die Bühne und haben dabei nichts im Sinn als Spaß und pure Freude. Mal ist es grell und überdreht, dann wieder zärtlich und fast melancholisch. In jedem Fall darf herzlich laut gelacht werden und wer will, der kann für sich auch einen Sinn entdecken: „Es ist ein bisschen wie Familienalltag“, sagte neulich jemand im Foyer. Und jemand anders: „Wenn ich das sehe, will ich gleich mitmachen!“ Die einzigartigen, lustvollen und urkomischen Theaterarbeiten von Herbert Fritsch leben oft von Wiederholung. Da wiederholen die Körper Abläufe, bis sie durchdrehen, wie die schwindelfreien Derwische. Da drehen sich Sätze im Kreis und klingen wie Musik. Da verschwindet der Sinn, taucht im nächsten Moment ganz neu wieder auf und lässt einen überrascht losprusten. Manchmal muss einem vielleicht erst schwindelig werden, für festen Boden unter den Füßen, und manchmal, da entdeckt man im Schwindel eine neue Wahrheit. Über Herbert Fritsch Herbert Fritsch war lange Schauspieler, bevor er die Seiten wechselte und als Regisseur seine unnachahmliche Art von Theater entwickelte. Seitdem hat er im ganzen deutschsprachigen Raum inszeniert: Eigene Kreationen, Opern, klassische Dramen und auch mal einen Text, der nur aus einem einzigen, sich wiederholenden Wort besteht. Parallel arbeitet Herbert Fritsch als Medienkünstler im Bereich Foto- und Videotechnik und zeigte Ausstellungen in Deutschland und der Schweiz. Mit seinen stilprägenden Theaterarbeiten war er bereits sieben Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen und wurde für seine Verdienste um das deutschsprachige Theater mit dem Theaterpreis Berlin ausgezeichnet. Inszenierung, Bühne und Kostüm: Herbert Fritsch Musik: Charlie Casanova Licht: Hendrik Möschler Dramaturgie: Fabian Schmidtlein
Aufführungen | Schauspiel

Blind

Schauspiel Hannover

„Sag mal, was bringt dir das eigentlich, mit dem Finger auf andere zu zeigen? Genau zu wissen, wer auf der falschen Seite steht und warum? “ Die meistgespielte niederländische Theaterautorin Lot Vekemans hat mit „Blind“ das Stück zur Zeit geschrieben. Richard lebt in einer streng gesicherten Gated Community, in die er sich nach dem Tod seiner Frau zurückgezo¬gen hat. Ohne ersichtlichen Grund entlässt er seine Haushälterin und verlangt von seiner einzigen Tochter Helen, sich um ihn zu kümmern, da er droht zu erblinden. Die Beziehung zwischen Vater und Tochter war lange distanziert — zu groß sind die Differenzen, die sie trennen. Richard, einst ein erfolgreicher Ingenieur für Wasserwirtschaft und noch immer von seinem eigenen Können überzeugt, verachtet Helens idealistische Haltung als Anwältin und lehnt die Wahl ihres Ehemanns, eines Schwarzen Intellektuellen, ab. Helen wiederum wirft ihm vor, sich vor den Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft zu verschließen — von Geschlechter¬gerechtigkeit über Rassismus bis zum verantwortungs¬vollen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Während eines ihrer Besuche kommt es zu einem Zwischenfall: Die elektrischen Rollläden schließen sich plötzlich, als wäre ein Überfall im Gange. Vater und Tochter sind gezwungen, miteinander auszuharren — ob sie wollen oder nicht. Lot Vekemans (deren Erfolgsstück „Judas“ bereits in der Cumberlandschen Galerie zu sehen war) beleuchtet in ihrem neusten Werk mit großer Sensibilität die scheinbar unüberbrückbaren Gegensätze, die heute in vielen Familien und Freundeskreisen zu Konflikten führen. Richard und Helen kämpfen politisch und persönlich miteinander — um die richtige Weltsicht, um ihre Souveränität, aber auch um ihre gegenseitige Liebe als Tochter und Vater. Wir erleben eine Beziehung, die menschlicher und tiefer kaum sein kann — wie ihm wahren Leben. Die junge Regisseurin Leonie Rebentisch hat zuletzt mit ihrer Bühnenadaption des Romans „Gittersee“ am Berliner Ensemble auf sich aufmerksam gemacht. Einfühlsam, ohne falsches Sentiment und mit präzisem Fokus auf die Schauspieler*innen inszenierte sie die Geschichte rund um Republikflucht, Coming of Age und eine Jugendliche, die von der Stasi der DDR angeworben wird. Die Presse lobte die „schöne, klare, nie plakative Spielweise“ und die „Spannung und Psychologie, ohne dem Publikum das Denken abzunehmen“. Die Inszenierung wurde 2025 zum Festival „Radikal jung“ eingeladen. Leonie Rebentisch interessiert sich vor allem für dichte und ambivalente Beziehungskonstellationen, von denen auch „Blind“ eindrucksvoll handelt. Inszenierung: Leonie Rebentisch Bühne und Kostüm: Sabine Mäder Komposition: Fabian Kuss Licht: Mario Waldowski Dramaturgie: Yunus Ersoy
Aufführungen | Schauspiel

Die Tage der Hyäne

Schauspiel Hannover

„Was mich betrifft, könnten die Erde zerstört, die Urwälder verbrannt und die Gewässer verschlammt werden, aber ich möchte trotzdem ein Kind haben.“ Haben Sie sich in einer gynäkologischen Praxis auch schon einmal gefragt, wohin eigentlich mit der Unterhose? Wie über die Nachwirkungen einer Schwangerschaft sprechen, ohne rot anzulaufen? Und was tun, wenn zwischen kinderlosen Freund*innen plötzlich diese unangenehme Stille entsteht – oder der verächtliche Blick das schreiende Baby trifft? „Die Tage der Hyäne“ behandelt diese Fragen ehrlich, humorvoll und vielschichtig. Die finnische Autorin Saara Turunen erzählt von einer Schriftstellerin, die sich sehnlichst ein Kind wünscht. Von unerbittlichem Ehrgeiz getrieben, ordnet sie sich diesem Ziel vollkommen unter – bis sie sich plötzlich im Körper einer Hyäne wiederfindet, jenes Tiers, das als Aasfresser, Alphaweibchen und für sein hämisches Lachen bekannt ist. Turunen zeichnet das eindrückliche Bild eines Körpers, der fremd geworden ist – und erzählt vom Verschwinden des Rationalen zugunsten eines archaischen, instinktiven Selbst. Wie schon in früheren Arbeiten widmet sie sich dabei weiblichen Lebensentwürfen. Mit einem feinen Gespür für das Skurrile im Alltäglichen erforscht sie, was eine Fruchtbarkeitsbehandlung für den Körper einer Frau bedeutet, warum Fortpflanzung so häufig über Kontrolle definiert wird und wie gesellschaftliche Erwartungen die eigene Wahrnehmung prägen. Turunen thematisiert Mutterschaft nicht diskursiv, sondern radikal visuell – so präzise wie beiläufig, so humorvoll wie eindringlich. Dabei gelingt es ihr, dem Publikum die Empfindungen der Protagonistin ganz nah zu bringen – man kann mitfühlen, nachvollziehen oder sich an eigene Erlebnisse erinnern. Gerade darin liegt die besondere Kraft ihrer Inszenierung: Mithilfe einer klaren Theatersprache, eindrucksvoller Bilder und einer besonderen Musikalität, in der Donna Summer auf Edvard Grieg trifft, verleiht sie den inneren Zuständen ihrer Figuren Gestalt. Neben dem Porträt eines Lebensabschnitts entfaltet sich zugleich eine Reflexion über Kontrolle, Durchhalteideale und die Mechanismen einer Leistungsgesellschaft. „Die Tage der Hyäne“ richtet sich dabei an alle, die jemals nach etwas gestrebt, Rückschläge erlebt und sich plötzlich in einer fremden Welt wiedergefunden haben. Saara Turunen arbeitet als Regisseurin und Autorin in Helsinki und international. In ihren Werken untersucht sie weibliche Perspektiven und Identitätsfragen im Spannungsfeld gesellschaftlicher Normen. Ihr Theater ist radikal visuell – sie verdichtet Emotionen zu kraftvollen Bildern, die im Gedächtnis bleiben. Mit komplexen Soundlandschaften und klaren Kompositionen schafft sie Zugänge zu Gefühlen, die tief im Inneren verborgen scheinen. Ihre Arbeiten wurden in fünfzehn Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Inszenierung: Saara Turunen Bühne: Milja Maaria Aho Choreografie: Janina Rajakangas Kostüm: Liisa Pesonen Video: Ainu Palmu Licht: Ainu Palmu, Mario Waldowski Sound: Tuuli Kyttälä Dramaturgie: Mira Gebhardt Dauer: ca. 1 Std. 30 Min., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Romeo und Julia

Schauspiel Hannover

Premiere 11.9.2026 mit einem Prolog von Hendrik Bolz „Ich liebe dich.“ Wer ist tot am Ende des berühmtesten Theaterstücks aller Zeiten? Nicht die Alten – die Jungen. Romeo und Julia. Schon wieder? Zwei sehr junge Menschen, die sich unsterblich verlieben und am Ende, ausgelöst durch eines der folgenschwersten Missverständnisse der Theatergeschichte, beide sterben. Eine bekannte Tragödie, fast ein Mythos. Doch gerät Entscheidendes leicht aus dem Blick: Julia wird vierzehn Jahre alt. Vierzehn, als sie verheiratet werden soll, vierzehn, als sie sich gegen den Willen ihrer Eltern stellt, vierzehn, als sie sich für Romeo entscheidet. Auch Romeo ist nur wenig älter. Wo sind ihre Eltern? Sie sind beschäftigt. Gefangen in ihren Konflikten, Regeln, einer alten Feindschaft, deren Ursprung kaum noch jemand benennen kann. Genau hier setzt Lena Braschs Inszenierung an. Sie verschiebt den Blick von der romantischen Liebestragödie auf das System, das diese Liebe von Anfang an unter Druck setzt. Wie kaputt ist eine Welt, in der Erwachsene den Tod ihrer Kinder herbeiführen, weil sie nicht wahrnehmen, was ihre Kämpfe, Erwartungen, Herrschaftsansprüche anrichten? Was hinterlässt diese Generation der nächsten außer Zwietracht und fortgesetzter Gewalt? Über Lena Brasch Die Regisseurin Lena Brasch fordert mit ihren Inszenierungen die Grenzen des traditionellen Theaterkanons heraus. Bekannt wurde sie durch Stücke über popkulturelle Phänomene wie den am Berliner Ensemble entstandenen Abend „It’s Britney, Bitch!“. Die Inszenierung wurde international besprochen und 2022 zum Festival „Radikal jung“ eingeaden. 2019 wurde Lena Brasch von der ZEIT als eine der „100 wichtigsten jungen Ostdeutschen“ ausgezeichnet und zu jenen „ostdeutschen Künstler*innen, die die Republik verändern könnten“, gezählt. In der Spielzeit 25/26 inszenierte sie erstmals am Schauspiel Hannover: „Ein wenig Licht. Und diese Ruhe.“ sowie „Gewässer im Ziplock“. Inszenierung: Lena Brasch Bühne: studio dietrich&winter Kostüm: Maja Lipinski Musik: Wenzel Krah, Paul Eisenach Video: Elias Asisi Licht Maren Zeiss, Oliver Hisecke Dramaturgie: Mira Gebhardt, Valerie Göhring
Aufführungen | Schauspiel

Ein wenig Licht. Und diese Ruhe.

Schauspiel Hannover

„Der Krieg ist hier angekommen, auf der Welt, und wird erst enden, wenn wir verschwunden sind. Unter der Erde.“ Ein Ingenieur denkt über die Herausforderungen der modernen Existenz nach — über das alltägliche Aufwachen in einer Gesellschaft, in der sogar der Himmel Google gehört und bewaffnete Konflikte zur Tagesordnung zählen. Wobei, solange sie nicht das eigene Viertel, die eigene Stadt oder eventuell noch das eigene Land betreffen, verschwinden sie nach zwei Tagen aus der flackernden Aufmerksamkeit. Und seien wir ehrlich: Wenn man nicht einmal die Flaggen der betroffenen Länder kennt, um sie solidarisch zu posten, kann es ja so schlimm nicht sein?! Zwischen Horror und Humor erkundet Sibylle Berg, eine der bekanntesten Schriftstellerinnen und Theaterautorinnen im deutschsprachigen Raum, die dystopisch anmutenden Abgründe unserer Gegenwart. Gespielt wird dieser Ingenieur von der Schauspielerin Katja Riemann, einer langjährigen künstlerischen Weggefährtin von Autorin Sibylle Berg, die bereits in deren Erfolgsstück „Und sicher ist mit mir die Welt verschwunden“ am Berliner Gorki Theater zu sehen war. Sibylle Berg selber ist mit ihrer Stimme ebenfalls Teil der Inszenierung. Die Regisseurin Lena Brasch, 1993 in Berlin-Pankow geboren, fordert mit ihren Inszenierungen die Grenzen des traditionellen Theaterkanons heraus. Bekannt wurde sie durch Stücke über popkulturelle Phänomene wie den am Berliner Ensemble entstandenen Abend „It’s Britney, Bitch!“. Die Inszenierung wurde international in etlichen Medien besprochen und 2022 zum Festival „Radikal jung“ eingeladen. 2019 wurde Lena Brasch von der ZEIT als eine der „100 wichtigsten jungen Ostdeutschen“ ausgezeichnet und zu jenen „ostdeutschen Künstler*innen, die die Republik verändern könnten“, gezählt. Inszenierung: Lena Brasch Bühne: studio dietrich&winter Kostüm: Eleonore Carrière Licht: Maren Zeiss, Marie-Luise Fieker Dramaturgie: Yunus Ersoy Dauer: ca. 1 Std. 30 Min., keine Pause
Aufführungen | Oper

Die tote Stadt

Staatsoper Hannover

Libretto von Paul Schott nach Georges Rodenbach „Wie weit soll unsre Trauer gehn, wie weit darf sie es, ohn’ uns zu entwurzeln?“ Paul Nach dem Tod seiner Frau Marie lebt Paul zurückgezogen und isoliert in seiner Wohnung. Nur zu seinem Freund Frank und zu Brigitta, die ihm den Haushalt organisiert, hat er noch Kontakt. Doch als Paul auf der Straße die Tänzerin Marietta kennenlernt, die Marie verblüffend ähnlich sieht, nimmt sein von Trauer geprägtes Leben eine Wendung: Während Paul versucht, Marietta mehr und mehr an seine verstorbene Frau anzugleichen, wird der innere Konflikt zwischen Realität und Wunschbild immer raumeinnehmender. Marietta spielt das Spiel zunächst mit, lässt sich aber in ihrer Eigenständigkeit und Freiheit nicht beschränken. Mit Die tote Stadt schuf Erich Wolfgang Korngold 1920 mit gerade einmal 23 Jahren ein kluges Spiel der Trauerbewältigung aus Traum und Wirklichkeit. Während sich die erzählerischen Ebenen untrennbar vermischen, entwickelte Korngold dazu eine fein ausgeklügelte Partitur, die „Traumarbeit“ zum musikalischen Prinzip erklärt. Seine überwältigende, farbenreiche Instrumentation macht die Geschichte um Paul und Marietta zum sinfonischen Trip einer folgenreichen Begegnung. Die Regisseurin Ilaria Lanzino richtet mit Die tote Stadt den Blick auf ein Reich jenseits der Schwelle – ein post-mortem Abstieg in die Welt einer Frau, die sich das Leben nahm. Nach dem plötzlichen Verlust bleiben bei den Zurückgebliebenen Fragen, die sie nicht loslassen. Im Zentrum steht Paul, dessen Suche ihn in die Tiefen einer ungreifbaren Wahrheit führt: Wer war die Frau an seiner Seite – und was blieb ihm zu Lebzeiten an ihr verborgen? Zwischen Erinnerung und Halluzination, Sehnsucht und Trugbild entfaltet sich ein vielschichtiges Kammerspiel über Verlust, rätselhafte Nähe und die Unmöglichkeit, den anderen je vollständig zu kennen. Musikalische Leitung: Mario Hartmuth Inszenierung: Ilaria Lanzino Bühne: Martin Hickmann Kostüme: Vanessa Rust Licht: Johannes Paul Volk Video: Max Schweder Chor: Lorenzo Da Rio Kinderchor: Tatiana Bergh Dramaturgie: Christian Förnzler Xchange: Siiri Niittymaa Chor der Staatsoper Hannover Kinderchor der Staatsoper Hannover Niedersächsisches Staatsorchester Hannover Deutsch mit deutschen und englischen Übertiteln Einführung: 45 Minuten vor Beginn

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